Tag 9: Vielsalm – Houffalize

 

Tag 9: Vielsam bis Houffalize   –   25. April 2007

 

Im Hotel „Les Myrtilles“ schlief ich wirklich schlecht. Von meinem zum Nachbarzimmer führte eine Tür, in der auf meiner Seite ein Schlüssel steckte. Die Wände waren dünn wie Papier, alle menschlichen Geräusche der Nachbarschaft waren deutlich zu hören. Ich schlief höchstens sechs Stunden. Auch das Frühstücksbuffet war nicht berauschend. Ich war froh, um halb neun wieder in Freiheit zu sein.

Ein neuer Morgen

Ein neuer Morgen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich verließ Vielsam über die Hauptstraße. Nach meinem Erlebnis gestern wollte ich erstmal keine Wanderwege ausprobieren. Das wäre auch schlecht möglich gewesen, denn die Straße führte durch ein Tal, an beiden Seiten durch hohe Hänge begrenzt. Irgendwann öffnete sich der weg in eine relativ flache Landschaft. Hinter Bovigny wurde es dann wieder hügelig.

Ich versuchte dann doch wieder ein Stück durch den Wald zu gehen und begegnete einem dutzend holländischer Schüler, die sich verlaufen hatten. Auf Englisch erklärte ich dem lärmenden Haufen den weg zum nächsten Dorf. Der Wanderweg zwang mich wieder zu einem größeren Umweg. Deshalb entschied ich mich, wieder über Straßen zu laufen, um voran zu kommen.

 

Frühling

Frühling

Die Hitze machte mir ganz schön zu schaffen. Der Rucksack war noch schwerer als sonst, weil ich auch noch meine Jacke, eine Flasche Wasser, zwei Äpfel und Brötchen darin verstaut hatte. In Rettigny hatte ich nach dem dritten Stop meine Vorräte aufgebraucht. In den kleinen Dörfchen auf dem Lande gibt es meist keine Geschäfte oder Kneipen, und wenn doch, sind sie geschlossen. Bis zum nächsten Dorf, Ceturu, waren es noch sieben Kilometer.

Die Sonne brannte vom Himmel. Das war kein Aprilwetter, das war Hochsommer. Die wenig befahrene Landstraße fiel steil ab in ein Tal und zog sich dann schier endlos am Flüßchen Ourthe Or entlang. Ewigkeiten kein Mensch, kein Auto,kein Haus. Der Durst und die Hitze verleideten mir ein wenig die wirklich bezaubernde Landschaft. 

Mein Herz schlug höher, als ich in der Ferne ein „Jupiler“ Schild sah. So heißt hier ein Bier. Beim Näherkommen tauchte die zu einem Campingplatz mit unzähligen Wohnwagen gehörende Gaststätte auf. Die Gegend hier ist voll in holländischer Hand. Leider war der Betrieb noch geschlossen. 

In holländischer Hand

In holländischer Hand

Ich quälte mich weiter nach Ceturu. Die letzten drei Kilometer waren ein steiler Aufstieg aus dem Tal. Auch dieses Dorf wirkte wie ausgestorben und mir schwante Böses. Schnell war ich am Ortsausgang. Unschlüssig ob ich weitergehen sollte, drehte ich ich um. Auf einer Terrasse hinter dem letzten Haus, das unterhalb der Straße stand, hörte ich Stimmen. Ich rief hinunter und eine Frau antwortete auf holländisch, was mir auf jeden Fall lieber war als französisch. Ich fragte nach einem Laden, einer Kneipe, einem Hotel. Nichts davon gab es in der Nähe. Dann lud sie mich ein etwas bei ihr zu trinken. Ich stieg hinunter zur Terrasse. Dort saßen drei Seniorenpaare am Tisch und sonnten sich. Ich wurde herzlich aufgenommen, bekam zu trinken, erzählte über mein Unternehmen. Sie erklärten mir mit Fotos, wie das Haus entstanden war. Der Sohn eines Paares hatte in vierjähriger Arbeit mit eigenen Händen das großzügige und schön eingerichtete Ferienhaus gebaut. Zwei bis dreimal im Jahr machte die muntere Gesellschaft hier Urlaub.

Meine Retter...

Meine Retter...

Trunske, Herman, Ria, Jan, Wilma und Theo berieten hin und her was sie jetzt mit mir machen sollten. Sie wollten mich nicht einfach wieder laufen lassen, weil im näheren Umkreis weder Hotel noch Restaurant zu finden sei. Also beschlossen sie, einen Ausflug ins sieben Kilometer entfernte Houffalize zu machen, dort sei ein fantastisches Hotel unter holländischer Führung und die hätten bestimmt ein Zimmer frei. So findet man selbst in aussichtslosen Situationen immer einen Ausweg. Die sechs netten Holländer waren heute meine Retter. Sie lieferten mich direkt vor dem Hotel ab. Der Rezeptionist, auch ein Landsmann meiner Schutzengel, fragte sofort nach dem Woher und Wohin und gab mir dann die beste Suite im Hause zum Einzelzimmer Preis. Auch die Küche im Hause war fantastisch. Ich war erstaunt wie sich bis jetzt alles fügt auf meiner Reise. Ich bin zwar jetzt etwas von meiner Route abgekommen und auch ein Stückchen weiter Nordwestlich, aber das hole ich morgen frisch gestärkt bestimmt wieder auf.

Der pure Luxus

Der pure Luxus

 

 

Etappe – Vielsalm-Ceturu

Region:  Wallone Ardennen

Luftlinie: 19,3

Kilometer 24,5

Schritte: 30578

Wanderzeit 6 Std 59 Min

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,5 km/h

Flugminuten 2