Tag 67: Girona – Barcelona

Tag 67:  Girona bis Barcelona   –   22. Juni 2007

 

Pünktlich um acht Uhr hatte Olga das Frühstück bereitet. Sogar selbst gebackenen Apfelkuchen hatte sie mitgebracht. Wir unterhielten uns noch eine Weile; um zehn Uhr packte ich meine Sachen und ging quer durch die Stadt zum Bahnhof. Züge nach Barcelona gab es eine Menge und deshalb mußte ich nicht lange warten. Der Zug war voll besetzt. Mein junger Sitznachbar hatte Kopfhörer auf. Er hörte Musik. Da man mit den Jungen sowieso schwer ins Gespräch kam, holte ich auch meinen I-Pod heraus und tat Gleiches. Sehr oft war er bei dieser Reise nicht zum Einsatz gekommen, beim Laufen hörte ich kaum einmal Musik. Auf den Straßen wäre das auch viel zu gefährlich gewesen und in der Natur hörte ich lieber die mich umgebenden Laute oder die Stille.

 

Barcelona war für mich bei früheren Reisen immer nur ein Durchreiseort. Dem entsprechend wenig kannte ich von der Stadt. Ein Hotel hatte ich vorgebucht, wußte aber nicht genau, wo es lag. Ich reihte mich vor dem Bahnhof in eine lange Schlange Wartender ein. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich an der Reihe war und in ein Taxi steigen konnte.  Der Taxifahrer mußte sich erst einmal kundig machen bevor er zum Hotel fuhr. Er kutschierte mich quer durch die Stadt und verriet mir dabei, wie die Plätze hießen und die großen Straßen, welchen Bus ich wo hin nehmen müßte und wo U-Bahnen fuhren. Ob er tatsächlich annahm, daß ich diese Flut von Informationen erinnern könnte? Ich glaube nicht. Und dann erzählte er mir die belanglose Geschichte eines Motorradfahrers, der ihn nach dem Weg gefragt hatte. Statt aber hinter der Ampel abzubiegen, wie mein Taxifahrer ihm gesagt hatte, sei dieser Trottel an der Ampel abgebogen und hätte so natürlich einen ganz falschen Weg eingeschlagen. Man müsse immer genau zuhören! Und diese Geschichte wiederholte er gleich vier mal, was auf die Wichtigkeit schließen ließ, die sie für ihn hatte. Ich verstand zwar nicht Sinn und Zweck, aber erinnerte mich wieder. Wenn für einen Spanier etwas unwichtig ist, erzählt er es einmal. Ist etwas jedoch von Wichtigkeit, dann wird das so lange wiederholt, bis er meint, das sein Gegenüber es verinnerlicht hat. Diese harte Lektion hatte ich bei meinem ehemaligen Nachbarn Vincente in Santa Eugenia mit eisernen Neven gelernt.

 

Taxifahren war in Barcelona erstaunlich preiswert, für die lange Fahrt zahlte ich nur elf Euro. Das Hotel „Rubens“ lag in der bergigen Oberstadt, weit vom Stadtkern und den Ramblas entfernt. Ich machte eine Erkundungstour durch die nähere Umgebung und erkundigte mich nach einer Buslinie ins Zentrum. In direkter Nähe des Hotels war ein kleiner Tapasladen, dort deckte ich mich mit der nötigen Verpflegung für den Rest des Tages ein. Da ich in der letzten Zeit immer viel zu kurz geschlafen hatte und, wahrscheinlich wegen des dauernden Wechsels von Schlafstätten, auch schlecht schlief, wollte ich früh zu Bett. Ich hatte mir ein leichtes Schlafmittel auf Pflanzenbasis gekauft.  Aber obwohl man annehmen sollte, daß in einem seriösen Hotel dieser Preisklasse nachts Ruhe herrschen sollte, wurde ich von einem Trupp total besoffener Engländer, die auf dem Flur lauthals mit ihren ebenfalls randvollen Engländerinnen stritten, um halb drei aus dem Schlaf gerissen. Um fünf lief dann eine Frau weinend und laut (englisch) telefonierend auf dem Flur hin und her. Wann kann ich endlich wieder durchschlafen…?!

 

Etappe:   Girona bis Barcelona

Region:   Cataluna

Luftlinie: 85,9

Kilometer: mit der Bahn

Schritte: 

Wanderzeit:   

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 

Flugminuten: 8