Tag 66: Figueras – Girona

Tag 66: Figueras nach Girona  –   21. Juni 2007

 

Ich blieb bis zwölf Uhr im Hotel. Dann machte ich mich auf zum Bahnhof von Figueras und nahm einen Regionalzug nach Girona. Beim Hereinfahren hält man die Stadt für einen häßlichen Moloch. Industrieanlagen und die für Spanien typischen Vorstädte mit schmutzigen Hochhäusern und tausenden Balkonen geben ein bedrückendes Bild ab. Eng an eng kleben die Balkone an den tristen Fassaden, auf ihnen wird Wäsche getrocknet und sie halten als Abstellplatz für alles nur Denkbare her.

 

Mit diesem ersten Eindruck stieg ich aus dem Zug und ging in Richtung Zentrum. Dort fand ich schnell die Informacion Touristica und wurde von einer netten Senora bestens und freundlich beraten. Da einige Hotels belegt waren vermittelte mir Maria, wie sie sich mir nach der Beratung vorstellte, eine Pension direkt in der Nähe. Die Betreiberin namens Olga, eine junge Mutter, holte mich zehn Minuten später mit Kinderwagen und ihrem zweijährigem Sohn ab. Sie führte mich zu der Wohnung, die sie vor kurzem komplett als Herberge umgebaut hatte. Drei Zimmer, Küche und ein Aufenthaltsraum in einem schönen Ambiente machten mir den Aufenthalt angenehm. 

 

Ich wohnte hier nah am Fluß Onyar und direkt in der Altstadt. Am Nachmittag machte ich einen Rundgang zur Kathedrale, einem Park hinter der Kathedrale und dann durch die Altstadt. Der erste Eindruck von Girona verblasste schnell und vollständig. Es ist schon ein imposantes Bild, wenn man vor der riesigen Kathedralentreppe steht und zu dem wuchtigen Gebäude aufschaut. Die kleinen, steilen Gassen, durch die keine Autos fahren können weil Teilstücke aus Stufen bestehen, vermitteln den Eindruck von vergangenen Jahrhunderten. Hier scheint auf kleinem Raum die Zeit stillzustehen. Beim Herabsteigen in die Unterstadt genoß ich den kühlenden Luftstrom, der mir kräftig und durch die Enge der Gassen verstärkt, entgegenblies. 

 

Unten angekommen überquerte ich den Fluß, der die Stadt in zwei Hälften teilt. Auf der anderen Seite befanden sich Geschäftsviertel und Wohnhäuser. In der Nähe des Bahnhofs entdeckte ich in einer Unterführung eine Art Freiluftmuseum. Hier hatten sich einige Sprayer mit wirklich tollen Bildern verewigt. Als ich Fotos machte, sprach mich ein junger Bursche an. Ich bekundete meinen Respekt vor den Arbeiten und er erzählte mir, das er mit einem der Künstler befreundet sei. Der sei ein absolutes Arbeitstier, hätte tausend Projekte und sei ein „artista de puta madre“, was in Spanien „ziemlich gut“ bedeutet.

 

In Girona fanden zur Zeit Musiktage statt. Am Nachmittag wurden an einigen Stellen in der Altstadt und am Fluß Bühnen aufgebaut. Mehrere Bands spielten an verschiedenen Stellen und der Lärmpegel stieg ins Unermessliche.

Besonders hervor tat sich ein glatzköpfiger, hellrot-bärtiger Techno DJ. Vor Jahren hätten Bands mit seinem Equipment die ganze Westfalenhalle beschallt, hier mußte es für eine Straßenecke reichen. 

 

Ich trieb mich noch einige Zeit zwischen den verschiedenen Acts herum, schaute einem Show-Sprayer bei der Herstellung eines neuen Kunstwerks auf einer vier mal zwei Meter Platte zu und wollte mich dann zur Ruhe begeben. Daraus wurde aber erstmal nichts, weil meine Herberge genau im Schnittpunkt von drei Musikdarbietungen lag. Von links kam mächtig spanischer Punk a la Ramones, dazu mischte sich Techno und eine Portion Chanson mit einer kräftigen Frauenstimme. Das Tüpfelchen auf dem I aber war eine Kindertrommelgruppe, die mit ihren Instrumenten durch die Gassen zogen; und das bis kurz vor Mitternacht. Danach kehrte aber schlagartig Ruhe ein auf der Straße, in nullkommanichts waren alle Kneipen geschlossen und die Menschen verschwunden. Einem gesunden Schlaf stand nichts mehr im Wege…

 

Etappe:   Figueras bis Girona

Region:   Cataluna

Luftlinie: 34,3

Kilometer: mit der Bahn

Schritte: 

Wanderzeit:   

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 

Flugminuten: 3