Tag 64: Portbou – Figueras

Tag 64: Portbou bis Figueras   –   19. Juni 2007

 

Das schöne Wetter lud mich heute morgen ein, es noch einmal mit der Straße aufzunehmen. Von Portbou aus mußte ich nur über einen Hügel, um in das Städtchen mit dem einladenden Namen Colera zu gelangen. Ich ärgerte mich über meinen körperlichen Zustand, weil bei diesem blauen Himmel und mit Meerblick das Wandern eigentlich Spaß machte. Aber mit dem schweren Rucksack wurde selbst der kurze Weg von zirka sechs Kilometern zur Qual. Die ganze linke Seite von der Schulter abwärts bis zu den Rippen und hinten ins Schulterblatt schmerzt nach kurzer Belastung höllisch. Für nächsten Dienstag hatte Anja Marks vom Mallorca Magazin, die meine ganze Reise aus der Distanz begleitet hat, schon einen Arzttermin für mich arrangiert. Da werde ich mich dann komplett durchchecken lassen.

 

Von Colera war ich nicht so begeistert, als daß ich mich hier hätte länger aufhalten wollen.Deshalb ging ich sofort zum Bahnhof. Die Regionalzüge fahren hier mehrmals am Tag, so daß ich keine lange Wartezeit hatte. Von Colera brauchte der Zug genau zwanzig Minuten und ich konnte in Figueras aussteigen. Ich ging zum Rathaus und fragte dort nach einer Touristen Info. Die nette Dame an der Rezeption erklärte mir den Weg an Hand eines kleinen Stadtplans, den sie mir dann mitgab. Auch in der Informationsstelle, die ich schnell erreicht hatte, wurde ich freundlich beraten. Man empfahl mir das Hotel „Rambla“ . Ein Haus mit zwei Sternen, das aber sicherlich einen mehr verdient hätte. Es ist erst vor fünf Jahren komplett neu zwischen zwei alten, historischen Fassaden erbaut worden. Ein freundlicher Senor, der im Hotel arbeitet, erzählte mir, daß die spanischen Normen für die Vergabe von Sternen etwas seltsam wären. Nur weil dem Hotel ein Lastenaufzug fehlt, wurde der dritte Stern versagt. Es ist schon ein Witz, dieses komfortable, absolut saubere und freundliche Haus hat genau so viel Sterne wie diese total verkommene Räuberhöhle, in die ich im französischen St. Pons geraten war. Dazwischen liegen Welten…

 

Am frühen Nachmittag machte ich einen Rundgang durch Figueras. Obwohl die Stadt nur etwa 45000 Einwohner hat, pulsiert hier das Leben. Auch wirkt hier alles offener und freundlicher als in den französischen Städten. Und endlich muß ich keine glatzköpfigen, bewaffneten Polizistentrupps mit Hunden mehr sehen. Nein, hier kann man sich wieder wohl fühlen. 

 

Ich ging ins Dali Museum. Schon vor ein paar Jahren, als ich mit dem Auto hier durch kam, wollte ich dort hin. Aber da war es geschlossen. Jetzt war der Besucherandrang nicht so groß, wie ich befürchtet hatte. Der Eintritt beträgt 10 Euro, aber mit Presseausweis kam ich gratis hinein. In meiner Jugendzeit fand ich Dali ausgesprochen gut und hielt ihn für einen der größten Künstler. Diese Meinung hat sich im Laufe der Zeit doch stark relativiert und auch mein Kunstgeschmack hat sich im Bezug auf Malerei doch mehr ins Abstrakte verlagert. Aber nach diesem Besuch muß man dem alten Salvatore doch eins zugestehen, er war einer der größten Popstars. Ein genialer Selbstvermarkter und Effekthascher, und das meine ich nicht negativ. Der Besuch des Museums ist auf jeden Fall zu empfehlen, das Ganze ist eine riesige, bunte Kunst und Kitsch Zirkusshow. Sehr unterhaltsam, aber auch informativ. Nachdem ich mir viele der alten Bilder, egal ob Öl oder Tusche,

angeschaut habe, halte ich Salvatore Dali handwerklich für einen der schlechteren berühmten Maler. Aber der Spaßfaktor ist hier hoch, selbst wenn mann eine halbe Stunde anstehen muß, um drei Sekunden einen Blick durch ein großes Prismenglas auf die Marylin- Rauminstallation zu werfen. Was man aber auf jeden Fall meiden sollte, ist der Souvenierladen, durch den man beim Verlassen des Museums geschleust wird. Das, was da angeboten wird, ist dann wirklich eine Nummer zu hart…

 

 

Etappe:   Portbou bis Figueras

Region:   Cataluna, Espana

Luftlinie: 24,2

Kilometer: 6,6

Schritte: 8244

Wanderzeit: – Std. – Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) – kmh

Flugminuten: 2