Tag 63: Perpignan – Portbou

Tag 63:  Perpignan bis Portbou  –   18. Juni 2007

 

Nach drei Tagen in Perpignan wurde es höchste Zeit, sich hier zu entfernen. Die letzte Nacht war ziemlich laut, da sich ein wahrscheinlich junges, aber auf jeden Fall frisch verliebtes Paar im Nachbarzimmer einquartiert hatte. Zum Übertönen von anderen Geräuschen haben sie die halbe Nacht den Fernseher auf volle Lautstärke gestellt. Da ich sie nicht stören wollte, habe ich den Lärm dann stilschweigend ertragen. Von angenehmer Nachtruhe konnte man allerdings nicht sprechen.

 

Heute morgen machte ich mich auf zum Bahnhof. Der ist mal von Salvator Dali deckenbemalt worden, ist meiner Meinung nach aber kein Meisterwerk von ihm. Mir ist aufgefallen, daß in den größeren Städten die Polizeipräsenz sehr stark ist. Immer wieder sieht man Trupps von drei bis vier Mann mit Hunden, auch in Zivilautos mit einem kleinen Polizeischild im Rückfenster fahren die meist geschorenen und in ihren blauen Overalls militärisch und angsteinflößend aussehenden Beamten durch die Stadt. Am Bahnhof patrollierten mehrere Soldaten mit Maschinenpistolen. Das schafft eine einschüchternde Atmosphäre.

 

Ich nahm den Zug nach Cebere, dem letzten Ort vor der spanischen Grenze. Ringsherum gibt es wieder Berge, die letzten Ausläufer der Pyrenäen, die hier im Meer enden. Der obere Teil von Cebere in Bahnhofsnähe ist ein düsterer Ort mit seltsamen, großen und verfallenden Gebäuden. Ich ging hinunter zum Hafen und von dort aus auf der einzigen Straße Richtung Spanien weiter. Frankreich verabschiedete mich mit einem kleinen Regenschauer als ich mich an den Aufstieg zur Grenze machte. Die wollte ich unbedingt noch zu Fuß erreichen. Der Rucksack verursachte nach drei Kilometern heftige Schmerzen in der Schulter, deshalb mußte ich ihn wieder einseitig tragen. Die Straße war von der unangenehmen Art, komplett durch eine Betonleitplanke begrenzt. Ich schwor mir, daß dies das letzte Mal auf solch einer Straße sein würde. Hier herrschte ziemlicher Touristenverkehr und ich drückte mich nah an der Planke vorbei. Als ich mit dem Bus aus den Bergen heraus gefahren bin und diese Straßensituation mal aus der anderen Perspektive erlebt habe, sah das, was ich jetzt machte, noch viel gefährlicher aus. Als Fußgänger hat man seine eigene, langsame Geschwindigkeit und erliegt dem Irrglauben, daß die vorbei rasenden Autos die Lage genau so gut einschätzen könnten.

 

Ich schleppte mich trotzdem den Berg hinauf bis zur Grenze. Dort oben befand sich eine kleine alte Grenzstation, dem Verfall preisgegeben. Und ein großes blaues „Espana“ Schild mit den Europasternen. Die alte Betontafel, die auf eine lange nicht mehr existierende Wechselstube hinwies, diente mir als Stativ für eine Serie von Selbstportraits. Endlich in Spanien, endlich wieder normal sprechen können! Eine kleine Last fiel jetzt von mir ab.

 

Die größere trug ich noch die drei Kilometer den Berg herab bis Portbou. Der erste Spanier, den ich nach dem Weg fragte, wurde von mir regelrecht zugequatscht. Ich glaube, er wunderte sich gewaltig, daß ein Deutscher solches Redetemprament entwickeln konnte. Ich ging zu einer Bar, bestellte mir ein Tomatenbrot mit Serrano Schinken und ein San Miguel, steckte mir eine Fortuna an und fühlte mich zu hause. 

 

Dann suchte ich mir ein Hotel direkt am Meer. Das Zimmer war winzig, aber die Terrasse dafür recht groß. Eine mächtige, alte Pinie überdeckte die komplette Terrasse mit ihrer Krone. Eigentlich ein lauschiges Plätzchen, wären in dem Baum nicht dutzende von Vogelnestern gewesen, aus denen es ständig herab kleckerte. Also wurde nichts aus draußen sitzen und auf’s Meer schauen, aber heute konnte nichts mehr meine Zufriedenheit stören….

 

 

Etappe:   Perpignan bis Portbou

Region:   Languedoc-Roussillon / Cataluna, Espana

Luftlinie: 37,2

Kilometer: 8,4

Schritte: 10510

Wanderzeit: 3 Std. 08 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 2,7 kmh

Flugminuten: 3