Tag 60: St. Laurent – Perpignan

Tag 60: St. Laurent bis Perpignan   –    15. Juni 2007

 

Was ist das nur für ein Wetter? Heute morgen regnete es in Strömen, erst um halb elf klarte es langsam auf und dann kam tatsächlich die Sonne heraus. Ich verließ das Hotel und war sicher, daß ich die relativ kurze Strecke bis Perpignan ohne Regenschauer hinter mich bringen könnte. 

 

Überhaupt keine Probleme mehr machen jetzt die Füße, die mich am Anfang meiner Reise so gequält hatten. Die Trecking Halbschuhe sind sehr bequem, zeigen aber im Oberschuhbereich schon leichte Auflösungserscheinungen. Das dürfte meiner Meinung nach nicht sein, da es teure Markenschuhe sind und mir beim Kauf garantiert wurde, daß sie locker 1000 Kilometer durchhalten. Die anderen gesundheitlichen Probleme sind allerdings vielfältig. Die Schmerzen in Schulter und Brust sind dauerhaft und bei Belastung schnell wieder da. Die Knie schmerzen ab und zu und ich kann keine Kraft mehr aufbauen. Auf Mallorca wird mich einer der ersten Wege zum Arzt führen, der soll mich dann komplett durchchecken. Schlafstörungen schwächen zusätzlich, mehr als fünf bis sechs Stunden kann ich nicht schlafen. Ich glaube, daß diese Riesenstrecke und die lange Zeit von bis jetzt zwei Monaten doch ein wenig zu viel für mich war. Es geht nicht mehr anders, als den Rest mit kurzen Wanderungen und Bus, Bahn oder Trampen hinter mich zu bringen.

 

Heute hatte ich nur vierzehn Kilometer auf dem Programm, daß war zu schaffen. Ich lief von St. Laurent nach Claira an einer Landstraße entlang. Die Gegend hier ist zwar noch ländlich, aber es herrscht schon ein reger Autoverkehr. Doch nach all den einsamen Wandertagen ist mir das immer noch eine willkommene Abwechslung. Von Claire ging ich an der D1 entlang bis Bompas, einem Vorort von Perpignan. Von hier war es nur noch ein kurzes Stück bis zur Stadt und  der städtische Trubel machte sich schon bemerkbar. Nach Bompas lagen noch ein paar Felder links und rechts der Straße, die wichen dann aber Vorstadt Siedlungen. Jetzt säumten Tankstellen, Autohäuser und Supermärkte die Straße. Eine Klinik wurde auf Schildern angekündigt. Es hätte jede x-beliebige Großstadt sein können, auf die ich mich zubewegte.

 

Ich orientierte mich Richtung Zentrum und dann zum Bahnhof hin. Dort findet man immer Hotels und ich hatte vor Pergignon mit dem Zug wieder zu verlassen. In der Av. General de Gaulle, unweit vom Bahnhof,  fand ich das Hotel „Mediterranee“. Es sah preiswert aus und hatte eine Bar mit Cybercafe.

 

Ich bekam ein gemütliches Zimmer mit Balkon für 38 Euro. Und einen kostenlosen Wifi-Hotspot gab es auch. Der Straßenlärm war einigermaßen erträglich. Nur ein Trupp städtischer Arbeiter sorgte kurzfrist für einen Höllenlärm, weil sie die zahlreichen Palmen in dieser Straße beschnitten. Zuerst kam ein Wagen mit Hydraulikkorb, darin war der Mann mit der Kettensäge. Unten stapelten zwei Mann die herabgefallenen Riesenblätter. Kaum waren die fertig, kam das Schredderkommando mit Lastwagen und einem gigantischen Zerkleinerer. Im Nu wurde aus den harten, großen Palmfächern feinster Mulch. Die Nachhut war auch wieder sehr geräuschintensiv. Zwei Mann mit Gehörschutz bliesen mit motorgetriebenen Pusterohren den Bürgersteig sauber, wobei es ihnen ziemlich egal war, ob die Passanten oder an einer Bushaltestelle wartende Menschen in den Staubwolken verschwanden. Ich konnte das alles von oben beobachten und machte mich dann an die Schreibarbeit…

 

 

Etappe:   St. Laurent bis Perpignan

Region:   Languedoc-Roussillon

Luftlinie: 12,1

Kilometer: 14,3

Schritte: 17887

Wanderzeit: 4 Std. 34 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,4 kmh

Flugminuten: 1