Tag 6: Eupen – Malmedy

 

 

Tag 6:   Eupen bis Malmedy  –   Sonntag, 22. April 2007

 

Nachdem ich um halb acht in der Jugendherberge gefrühstückt und mich von meinen Gastgebern verabschiedet hatte, machte ich mich an den steilen Abstieg in die Unterstadt von Eupen. Ich überquerte die Weser und ging dann an der Hill entlang, ein kleines Flüßchen, das bei Eupen in die Weser mündet. Zuerst säumten noch einige Häuser den Weg, dann ging es in die freie Natur. Um neun konnte ich schon deutlich merken, daß es heute heiß werden würde. Durch die kühle Luft wehten immer öfter warme Windschwaden, wie aus einem Fön geblasen. Die kräftigen Steigungen des Waldweges brachten mich schon bald ins Schwitzen. Drei Stunden lief ich durch diesen wunderschönen Märchenwald, der nur vereinzelte Sturmschäden aufwies. Nicht zu vergleichen mit den Wäldern um Düsseldorf. Auf dem ganzen Weg begegnete mir nur einmal ein Pulk grölender Moutain Bike Fahrer, sonst niemand.

 

Der Wald hinter Eupen

Der Wald hinter Eupen

Weiter oben wurde die Landschaft lichter, große Grasflächen wechselten sich mit Waldstücken ab. Ich kam vom Hertogenwald auf die Hohe Venn. 

Wasser hatte ich keins mitgenommen, da ich damit gerechnet hatte Wirtshäuser auf dem Weg zu finden. Fehlanzeige!

 

Die Hohe Venn

Die Hohe Venn

Mächtig durstig kam ich an der Hauptstraße Eupen/Malmedy an. Ich fragte an einem kleinen Parkplatz einen Sonntags-Ausflügler, wo die nächste Wirtschaft sei. Er wies mir den Weg in Richtung Eupen, dort sei, nicht weit entfernt ein Parkplatz mit Getränkestand. Ich ging wohl oder übel ein Stück in die Richtung, wo ich eigentlich nicht mehr hinwollte.

 

Sportwagentreff auf der Hohen Venn

Oldtimerrallay auf der Hohen Venn

Von Ferne sah ich den Bierstand, viele Autos und noch mehr Menschen. Eigentlich hätte mir bei dem Trubel dort etwas auffallen müssen, aber ich hatte nur noch einen Riesendurst. Ich stellte mich an den Wagen und versuchte auf Deutsch eine Cola und eine Flasche Wasser zu ordern. Der junge Mann am Ausschank verstand mich nicht, auch kein Englisch, nur Französisch. Ich konnte es kaum fassen, in Eupen sprachen alle Deutsch! Irgendwie kriegte ich die Bestellung aber auch mit Minimalfranzösisch hin. Und irgendwie verstand ich auch, daß er mir keine Flasche verkaufen könne. Erst jetzt bemerkte ich, daß die meisten der Gäste vornehm am Prosecco nippten. Und das die in Reih und Glied eingeparkten Autos allesamt wunderschön herausgeputzte Oldtimer waren. Ich war in das Pausencamp einer Oldtimerrallay geraten. Und der nette Franzose hinter der Theke ließ mich zwar erst ein bißchen zappeln, spendierte mir dann aber die Getränke.

 

Allein auf weiter Flur

Allein auf weiter Flur

Das war der schöne Teil des Tages, dann kam der ätzende. Denn jetzt ging es bei Sonnensonntags Ausflugsverkehr immer an der Bundesstraße lang. Autos ohne Ende und noch mehr wild gewordene Motoradfahrer bretterten mir ständig entgegen. Die Sonne brannte vom Himmel herab und die Füße fingen auch wieder an zu schmerzen. Und das alles gute fünfzehn Kilometer vom Etappenziel entfernt. Eine Raststätte lag noch auf dem Weg, am höchsten Teil der Venn. Dort bestellte ich vorsichtshalber: “ une bijer avec limonad. “ und der Kellner sagte ganz trocken: “ Ein Radler also!“Er erklärte mir dann, das die Venn die Sprachgrenze ist und in Malmedy nur noch Französisch gesprochen wird, und das der Rest meines Weges immer leicht bergab ging. 

Der Verkehr wurde zum Glück immer ruhiger, je später es wurde. Alle paar hundert Meter stand ein Mast mit wehender roter Dreiecksfahne am linken Straßenrand. Die Venn war so ausgetrocknet, daß die Behörde das Betreten dieser Seite wegen Brandgefahr untersagt hatte. Mit ziemlichen Schmerzen und völlig durchgeschwitzt kam ich am späten Nachmittag in Malmedy an. Ich fand schnell mein vorgebuchtes Hotel und habe als Erstes eine halbe Stunde geduscht.

Kirche in Malmedy

Kirche in Malmedy

Etappe –  Eupen – Malmedy

Region:  Wallone

Kilometer 33,4

Schritte: 41246

Wanderzeit 8 Std 14 Min

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 4,0 km/h

Flugminuten 3

 

 

 

Die Welt im Rucksack

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