Tag 58: Narbonne – Sigean

Tag 58:  Narbonne bis Sigean   –    13. Juni 2007

 

Ich verließ das Hotel früh um neun und ging zu einem Internetcafe, daß ich am gestrigen Nachmittag entdeckt hatte.

Dort hatte ich endlich einmal wieder eine so gute Verbindung, daß ich mit den Lieben zu hause sprechen konnte. Dann suchte ich einen Bus Richtung Perpignan. Mit diesem fuhr ich aus der Stadt heraus bis Rochegrise, das waren nur ein paar Kilometer. Von dort aus ging ich über eine kleine Landstraße nach Bages. Ich hatte auf der Landkarte eine Straße entdeckt, die direkt an einer Lagune entlang führte.

 

Der Tag war sonnig, aber nicht zu warm und vom Meer her wehte eine leicht erfrischende Brise. Das war mal etwas ganz anderes. Wandern im flachen Land. Hier wurde überall Wein angebaut, fast bis ans Wasser heran. Olivenbäume und Zypressen prägten das Gesicht der Landschaft und bald tauchte das Dörfchen Bages, malerisch auf einem Hügel gelegen, vor mir auf.

 

Ich hielt Rast in einem romantischen Restaurant, bekam einen leckeren Salat, und machte danach noch ein paar Fotos im Dorf. Ich merkte schnell, daß mir das mediterrane Ambiente doch viel mehr zusagte als die Bergwelt. Das hier war für mich wie ein lang ersehntes Aufatmen. Es roch nach Meer und Sonne, die Möwen kreisten über mir und stießen ihre Schreie aus. Das hörte sich bisweilen an wie Lachen, dann wieder wie Welpengebell oder Katzenjammer. 

 

Ich lief dann gemütlich weiter Richtung Peyriac de Mer und machte auf dem Weg noch ein unvorteilhaftes Selbstportrait. Ich fotografierte mich nämlich aus dem Bild gehend von hinten. Erstaunlich, wie wenig Haare da auf dem Foto sind. An die Glatze werde ich mich wohl nie gewöhnen!

 

Peyriac war nicht so malerisch wie Bages. Ich ging noch bis zur nahe liegenden Nationalstraße und trampte dann die sieben Kilometer bis Sigean, denn die Schmerzen in Schulter und Brust hatten sich nicht gebessert. Als ich in Sigean ankam, verschlechterte sich das Wetter rapide. Vom Meer her kamen erst Dunst und dann dichte Wolken gezogen. Ich trank noch schnell ein Bier in der wunderschönen alten Bar La Retonde, einem halbrunden Gebäude an einer Straßenecke im Zentrum. Deckenstuck und Wandbemalung waren original aus dem Jahre 1850. Dann machte ich mich auf zu einem Hotel, daß etwa 700 Meter außerhalb lag.

 

Als die ersten, vereinzelten Tropfen fielen, erreichte ich „Le Sainte Anne“. Das Hotel wurde von einem britischen Pärchen aus Bristol betrieben. Vor zwei Jahren erst hatten die beiden den Entschluß gefasst, unter der Sonne Südfrankreichs neu anzufangen. Es ist sehr angenehm hier und preiswert, und das Haus hat auch einen Internet Hotspot. Der kam mir natürlich sehr gelegen…

 

Etappe:   Narbonne bis Sigean

Region:   Languedoc-Roussillon

Luftlinie: 17,6

Kilometer: 9,7 ( + ca 13 Bus + Trampen)

Schritte: 12110

Wanderzeit: 3 Std. 15  Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,0 kmh

Flugminuten: 1,5