Tag 56: La Salvetat – St. Pons

Tag 56:  La Salvetat bis St. Pons   –   11. Juni 2007

 

In der letzten Nacht gewitterte es wieder heftig. Am Morgen lag dichter Nebel über See und Wäldern. Die Sonne löste ihn aber bald auf und als ich das Hotel verließ, schien sie vom strahlend blauen Himmel. Ich ging die drei Kilometer bis zum Dorf La Salvetat, vorbei an der Mineralwasserfabrik mit gleichem Namen. An einer Steinbrücke am Dorfausgang zweigte die Straße nach St. Pons ab. Dort wollte ich heute hin. Während ich lief versuchte ich wieder zu trampen und nach einiger Zeit hielt auch ein Wagen. Der ältere Herr am Steuer bedeutete mir, daß er nur ein paar Kilometer fahren würde, aber nicht bis zum nächsten Dorf. Ich stieg ein und nach meiner Frage ob er English oder Spanisch sprechen würde, konnten wir unsere Unterhaltung auf Spanisch weiterführen. Es gibt hier jetzt immer mehr Menschen, die Castellano sprechen. 

 

Wir unterhielten uns darüber, wie relativ das Alter doch ist. Er wäre sechsundsechzig, aber im Kopf jung geblieben. Die innere Einstellung sei viel wichtiger, als das Geburtsdatum. Ich konnte ihm da nur beipflichten. Er hatte hier im Niemandsland zwischen den Dörfern eine Reitfarm und die Arbeit würde ihn sowieso jung halten. In Spanien wäre er übrigens noch nie gewesen, obwohl es so nah sei. Aber viele Spanier kämen zu den Dorf- und Weinfesten hier in der Gegend und deshalb hätte er in früheren Jahren die Sprache gelernt.

 

Die Fahrt war schnell zu Ende, wir verabschiedeten uns herzlich und er wünschte mir für den Rest meiner Reise alles Gute. Ich lief weiter, überquerte das Flüßchen Arn, eher ein breiter Bach, und machte an seinem Ufer eine Rast. Das war ein wirklich romantisches Plätzchen. Saftig grüne, mit allerlei Wildblumen bewachsene Wiesen wechselten sich mit kleinen Waldstücken ab und mittendurch schlängelte sich die Arn. Ich pflückte ein buntes Blumensträußchen und fotografierte es anschließend, um es abends Susanne als Foto zu schicken, anders geht es ja im Moment nicht.

 

Als ich weiter marschierte, schmerzten nach kurzer Zeit Schulter und Brust so, daß ich den Rucksack nur noch über die rechte Schulter nahm. Das ist keine Lösung für längere Strecken. Ich lief über den Col du Cabaretou. Hier liegt die Straße immer noch auf einer Höhe von 941 Metern. Als es wieder abwärts ging, kam ich an ein einsam gelegenes Hotel mit Restaurant. Die Wirtin stand mit einem Wäschekorb im Garten und ich fragte nach etwas zu Essen und zu Trinken. Sie rief ihren Mann, der etwas verknittert aus dem Haus kam und er machte mir ein „Panache“, das ist ein Alsterwasser, und ein derbes Wurstbrot. 

 

Danach lief ich noch ein Stückchen und stellte mich dann wieder mit erhobenem Daumen an die Straße. Dieses Mal wartete ich eine geschlagene Stunde, bis ein Pickup anhielt. Und siehe da, jetzt konnte ich mich auf Englisch unterhalten. Der Fahrer war so etwa in meinem Alter und er züchtete hier in den Bergen schottische Galloway Rinder. Er fuhr mich hinunter nach St. Pons und ich suchte mir ein Hotel.

 

Und dieses Hotel Le Somail ist war nun wirklich das schlechteste auf der ganzen Reise. Eine üble Bruchbude. Ich habe noch nie ein Haus gesehen, in dem innen alles so schief ist. Egal ob Treppen, Flure, Böden oder Türen, alles ist krumm. Wenn mann über den Flur läuft, hat man das Gefühl, besoffen zu sein. Und mein Zimmer hat von einer Seite zur anderen ein Gefälle von mindestens fünf Zentimetern. Die Tapeten sind vergilbt und werden zur Decke hin dunkelgrau, offene Rohrleitungen liegen kreuz und quer und sind zur Tarnung in einem dezenten Schwarz gestrichen. Als ich nach einer Verlängerungsschnur fragte, weil am Tischchen weit und breit keine Steckdose zu finden war, schickte der Wirt mir eine ziemlich betrunkene junge Frau mit einem roten, total verwurstelten 50 Meter Kabel. Sie wollte unbedingt warten bis der Strom auch am anderen Ende herauskam und torkelte dann zufrieden den Flur entlang.

 

Ich ging dann heute nachmittag ganz entspannt im Ort spazieren. Das hatte ich bis jetzt selten gemacht und hab es auch sehr genossen…

 

Etappe:   La Salvetat bis St. Pons

Region:   Languedoc-Roussillon

Luftlinie: 13,5

Kilometer: 9,3 ( + ca 14,7 getrampt)

Schritte: 11625

Wanderzeit: ca. -Std. — Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) -kmh

Flugminuten: 1