Tag 52: Camares – St. Salvetat

Tag 52: Camares bis St. Salvetat   –    7. Juni 2007

 

Heute morgen war natürlich auch wieder kein Licht zum fotografieren. Der Himmel ist grau verhangen, wie fast immer in der letzten Zeit. Ich bin dann auch erstmal in die falsche Richtung losgelaufen, fragte aber zum Glück am Ortsausgang einen Baggerfahrer und der schickte mich wieder zurück.

 

Ich lief die sieben Kilometer von Camares bis Fayet über die Landstraße und an der Gabelung nach Murat hielt ich den Daumen raus. Die Strecke heute war durch Laufen einfach nicht zu bewältigen. Hier fuhren extrem wenige Autos, aber ich hatte Glück und ein Gasflaschenlaster nahm mich mit ins nächste Dorf. Hier in Brusque gab es überhaupt keinen Verkehr, die Berge ringsherum waren wieder höher als in den letzten Tagen. Aber es gab ein kleines Restaurant und ich wollte hier zu Mittag essen. Im Weinglas vor mir auf dem eingedeckten Tisch steckte nicht nur die Serviette sondern auch ein zusammengerollter, grüner Zettel. Ich rollte ihn auf und fand ein Zitat von einem gewissen Fontenelle, der mir vorher nicht bekannt war. “ Un grand obstacle au bonheur, c’est de s’attendre a un trop grand bonheur.“ Ich übersetzte zwei Vokabeln mit dem elektronischen Wörterbuch und machte daraus: 

“ Ein großes Hindernis für Glück ist, auf immer noch größeres Glück zu warten.“ Das war ein Satz über den ich mir wirklich mal Gedanken machen sollte!

 

Das Essen war mal wieder nicht so mein Ding, es gab Entenhack gekocht in eigener Haut. Ich aß aber brav meinen Teller leer, zahlte und ich machte mich an den Aufstieg nach Murat sur Vebre. Jedes Dörfchen hatte hier sein Flüßchen, daran habe ich mich schon gewöhnt.

 

Der Himmel war jetzt nicht mehr ganz so grau und ich ging Serpentine um Serpentine. Wenn mal ein Auto kam versuchte ich, es anzuhalten. Nach zwei Kilometern steiler Strecke hielt ein Kleintransporter. Der Fahrer war Türke. In dieser Gegend um St. Affrique leben viele Türken und andere Araber, wie er mir auf französisch klar machte. Er brachte Motorräder nach Murat. Welch ein Glück für mich.

 

Die Straße war so ziemlich die heftigste bis jetzt. Es ging in wilden Windungen noch mal etwa zehn Kilometer bergauf. Teilweise führte der Straßenrand direkt in tiefe Schluchten. Und mein Türke gab Gas, was das Zeug hielt. zweimal mußte er anhalten, weil Bauern ihre Schafsherden über die Straße trieben. In dieser Gegend, so schön sie   landschaftlich auch ist, möchte ich nicht einmal begraben sein. 

 

In Murat bedankte ich mich herzlich und verabschiedete mich in Richtung La Salvetat. Das waren jetzt noch einmal dreiundzwanzig Kilometer. Der Weg führte wieder über eine kaum befahrene Straße durch ein Naturschutzgebiet. Die Schmerzen in der Schulter, die mich jetzt schon einige Tage begleiteten, waren heute sehr schnell wieder da. Von der Schulter zog sich der Schmerz auch in die linke Brusthälfte. Ich band den Beckengurt des Rucksacks so fest, daß das Hauptgewicht dort auflag. Aber irgendwann ging das auch nicht mehr und ich ließ den Schultergurt von der Schulter gleiten und trug den Rucksack nur mit rechts. Das war natürlich keine Lösung für längere Strecken. 

 

Ich mußte mehrere Pausen einlegen, die aber nicht sehr halfen. Trampen ging hier gar nicht, die drei Autos die vorbei kamen, nahmen mich nicht mit. Zum ersten Mal auf der Reise wurde mir richtig mulmig zu Mute. Ich kam an einem Stausee vorbei, dem Lac de Laouzas. Das war eine wunderschöne Landschaft hier, aber ich hatte keine Augen mehr dafür. Ich wollte nur noch in St. Salvetat ankommen. In Villelongue fast am Ende des Sees lagen immer noch elf Kilometer vor mir. Auch hier gab es keine Möglichkeit, anders als zu Fuß weg zu kommen. 

 

Ich machte hier wieder eine Pause und holte mein Laptop heraus. Susannes älteste Tochter Nina hatte heute Geburtstag. Zu hause saßen jetzt alle an der Kaffeetafel und ich wollte wenigstens ein paar Grüße schreiben. Aber es war zwecklos, hier kam ich mit meinem Sender nicht ins Internet. 

 

Ich ging dann sehr langsam weiter, die Schmerzen in Brust und Schulter waren wirklich unangenehm. Als ich die Staumauer passierte, sah ich ein älteres Ehepaar das auf der anderen Seite das Stauwehr betrachtete. Ich sprach sie an und sie sahen wohl, wie fertig ich war. Mein Rucksack wurde in den Kofferraum geladen, Madame ging mit Hund auf den Rücksitz und ich durfte vorn sitzen. Die beiden machten Urlaub in der Gegend und kannten auch das Hotel, daß ich vorgebucht hatte. Ich schwitzte so, daß die Autofenster beschlugen. Das war mir total peinlich aber nicht zu ändern. Die freundlichen Herrschaften brachten mich bis vor die Hoteltüre, wofür ich mich bestimmt zehnmal bedankte und ihnen die Hände schüttelte.

 

Das Hotel ist wunderschön an einem See gelegen. Kurz nachdem ich angekommen war, fing es wieder heftig an zu regnen. Aber schon nach einer Stunde kam die Abendsonne heraus und tauchte die Landschaft in ein wunderschönes weiches Licht. 

 

 

 

Etappe:   Camares bis St. Salvetat

Region:   Midi Pyrenees – Languedoc-Roussillon

Luftlinie: 28,1

Kilometer: 24,7 ( + ca 33 getrampt)

Schritte: 30882

Wanderzeit: ca. 7 Std. 24 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,3 kmh

Flugminuten: 2,5