Tag 51: St. Affrique – Camares

Tag 51: St. Affrique bis Camares  –  6. Juni 2007

 

Gestern abend kam noch ein heftiges Gewitter über St. Affrique herunter. Es regnete bis in die Nacht hinein. Am Morgen unterhielt ich mich noch eine Weile mit meinen Gastgebern. Sie erzählten mir von dem stressigen Leben, das hinter ihnen lag und ihren Plänen mit der Pension.

 

Um elf Uhr brach ich auf nach Camares. Das war nach der Karte eine vermeintlich kurze Strecke, entpuppte sich dann aber doch länger als gedacht. Ich wollte heute keine Hauptstraße gehen, sondern nur kleinere Landstraßen. Es war nicht kalt, der Himmel aber grau und es nieselte ab und zu leicht. Der Weg führte mich an Vendeloves vorbei nach Lapeyre. Eichenwälder säumten hier die Straße. Auf einem abschüssigen Stück kamen mir in Schneckentempo und keuchend zwei Radfahrer mit schweren, vollbepackten Satteltaschen entgegen. Es war ein Pärchen um die fünfzig. Als ich grüßte, hielt der Mann an und wir unterhielten uns zwei Minütchen auf Englisch. Die beiden waren Franzosen und hatten auch schon einige hundert Kilometer durch ihre Heimat hinter sich.

 

In Lapery machte ich eine kurze Verschnaufpause. Heute schmerzte die Schulter wieder. Ich war froh, den Rucksack für kurze Zeit absetzen zu können. Zum Glück gab es hier so eine Art Wartehäuschen mit Bank, so daß ich im Trockenen sitzen konnte. 

 

Von hier aus ging es weiter über eine winzige Straße nach Gissac. Und auf einmal waren die Berge wieder da. Es ging Kilometer um Kilometer bergauf. Nach ungefähr einer Stunde hörte ich das erste Auto hinter mir heranfahren.

Ich hielt den Daumen raus und tatsächlich hielt der Wagen. Es war ein alter R4 und drin saß ein Mann in meinem Alter in Handwerkerkleidung. Er fuhr bis Gissac. Nur auf Französisch haben wir uns doch so einiges erzählen können. Die Familie seiner Frau lebte in Gissac und er fuhr die Schwiegermutter besuchen. Er selbst wohnte in St. Affrique und arbeitete in Roquefort in der Käsefabrik. Voller Stolz schwärmte er von dem tollen Käse. Er nahm mich mit bis zum Ortseingang Gissac, das sparte mir etwa sieben Kilometer bergauf laufen. Von Gissac ging es jetzt nur noch bergab und dann flach weiter bis Camares. 

 

Es würde noch etwas wärmer und die Luft war schwer und feucht wie in einer Waschküche. Auf der Straße waren jetzt wieder viele Schnecken zu sehen und es kam mir vor als hätte ich das auf meiner endlosen Reise schon einmal erlebt. Um kurz nach fünf kam ich an und eine nette alte Dame führte mich durch das verwinkelte Dorf zum einzigen Hotel. Dort hing ein Zettel an der Tür, daß erst um sechs geöffnet würde. Auf einem Platz spielten alte Männer Boule, daß hatte ich bis jetzt noch nicht oft gesehen hier in Frankreich. Sie sagten mir wo, eine geöffnete Bar war und ich ging dort hin, um etwas zu essen und zu trinken.

 

Hier saß mir Gilbert am Nachbartisch gegenüber, zirka sechzig und grauer Bart. Es entspannte sich zwischen uns eine Unterhaltung der besonderen Art die wir beide überaus witzig fanden. Wir sprachen nämlich Franzenglespanisch, von allem ein bisschen und völlig durcheinander. Bei so viel Spaß tranken wir noch ein paar Bierchen miteinander und der Wirt versuchte sich als Fotograf.

 

Das Hotel hier ist eine ziemliche Bruchbude und im Zimmer ist es kälter als draußen. Außerdem ist alles feucht und klamm. Und das im Juni!  Zum Mittelmeer kann man schon fast spucken, es sind noch siebzig Kilometer Luftlinie und ich friere mir hier den Hintern ab. Ich sitze jetzt mit zwei T-shirts und Jacke am Tisch und fröstle immer noch.

 

Camares ist ein interessantes Dörfchen mit dem Charme des langsamen Verfalls. Hoffentlich ist Morgen früh mal schönes Licht damit ich ein paar Fotos schießen kann…

 

 

Etappe:   St. Affrique bis Camares

Region:   Midi Pyrenees

Luftlinie: 14,7

Kilometer: 19,3 ( + ca 7 getrampt)

Schritte: 24120

Wanderzeit: ca. 5 Std. 07 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,8 kmh

Flugminuten: 1