Tag 50: Millau – St.Affrique

Tag 50: Millau bis St. Affrique   –   5. Juni 2007

 

Bei manchen Menschen hat man gleich das Gefühl, daß man sich mit ihnen anfreunden könnte. Vincent war so ein Mensch. In seiner hektisch, freundlichen Art mit dem dazu passenden, wuscheligen Haar war er mir sehr sympathisch. Wir verabschiedeten uns am Morgen mit freundlichem Schulterklopfen und guten Wünschen. 

 

Ich ging bei bewölktem Himmel aber angenehmer Temperatur die Hauptstraße Richtung St. Affrique. Die führte genau unter dem Viadukt her. Der Rucksack war heute morgen ziemlich schwer, weil ich zu Essen und eine anderthalb Liter Flasche Wasser eingepackt hatte. Nach ein paar Kilometern kamen die Schulterschmerzen wieder, mir blieb nichts anderes übrig, als das Wasser und ein paar Birnen zurückzulassen. Dann schnallte ich den Beckengurt so fest, daß das Gewicht zu einem großen Teil dort auflag. So konnte ich die Schulter entlasten und die Schmerzen verschwanden auch wieder.

 

Ich näherte mich langsam dem Viadukt. Ein wirklich imposantes Bauwerk. Es ist schon verrückt, sich vorzustellen, daß Menschen so etwas gebaut haben. Leider war das Licht nicht besonders, deshalb konnte ich nicht die Fotos machen, die ich mir wünschte. Außerdem war ich von der Wahl des Aufnahmestandortes ja auch ziemlich eingeschränkt. Als ich mich entfernte und noch ein Foto machen wollte, merkte ich, daß meine Brille fehlte. Meine Standardbrille habe ich immer vorn in der Kameratasche. Ich wußte aber genau, daß ich sie beim letzten Foto noch gesehen hatte. Also lief ich noch mal einen halben Kilometer zurück und fand sie glücklicher Weise genau an der Stelle, wo ich sie vermutet hatte.

 

Bis St. Georges konnte ich ganz gut an der Hauptstraße entlang laufen. Dort machte ich ein Päuschen und danach wurde die Straße abenteuerlich. Die linke Seite, auf der ich dem Verkehr entgegenlaufen kann, war fast komplett mit Leitplanken zugepflaster, dahinter konnte man nicht laufen. Ich wechselte, je nach Verlauf der Kurven, des Öfteren die Straßenseite. Das war ein konzentriertes und nerviges Laufen bis St. Rome, einem kleinen Dorf, das ein bisschen vermüllt aussah. Verrostete Maschinen und Tanks lagen am Dorfeingang neben der Straße und auch eine schmuddeliges Wohnwagencamp.

 

Ich hatte die Möglichkeit von hier aus 14 Kilometer die Hauptstraße weiterzugehen oder 12 Kilometer kleine Landstraße, die allerdings über einen Berg führte. Ich nahm die Landstraße und der Aufstieg war heftig. Oben angekommen war ich total außer Puste, aber hier bot sich mir ein Blick, der mich erfreute. Inzwischen war auch die Sonne herausgekommen und es wurde richtig warm. Und die Landschaft schien sich zu öffnen, aus Bergen wurden wieder Hügel. Das gab Hoffnung.

 

Nach St. Affrique ging es nun sanft bergab. Es gab drei Hotels in dem schönen, lebendigen Ort. Leider war in keinem auch nur ein Zimmer frei. Nach längerem hin und her hatte ich um sechs Uhr dann endlich ein Zimmer in einer kleinen Familienpension. Ein sehr freundliches Ehepaar war erst vor vier Monaten aus Paris hier her gezogen um sich dem stressigen Berufsleben zu entziehen. Sie kauften hier dieses große Haus mit viel Land, um ganz neu anzufangen. Es gibt ein paar schöne Zimmer und großzügige Aufenthaltsräume. Zwei Bäder und WC liegen außerhalb der Zimmer. 

 

Laurence und Stephane Koletzki haben die besten Voraussetzungen für eine Pension. Er spricht gut Deutsch, weil er im Saarland seine Kindheit verbracht hat und sie spricht Englisch und Spanisch. Hier hatte ich mal keine Verständigungs Schwierigkeiten. Stephane zeigte mir noch das Anwesen, Pool und die beiden süßen Esel, die mich an die Esel der Tramuntana erinnerten. 

 

 

Etappe:   Millau bis St. Affrique

Region:   Midi Pyrenees

Luftlinie: 22,9

Kilometer: 29,8

Schritte: 37252

Wanderzeit: ca. 7 Std. 14 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 4,1 kmh

Flugminuten: 2