Tag 5: Aachen bis Eupen

Tag 5:  Aachen bis Eupen   –    Samstag, 21. April 2007

 

Die Füße haben sich erholt. Dank Ruhe und Voltaren Salbe haben sie wieder normale Formen angenommen. Gestern nachmittag rief Susanne noch mal an und berichtete über den todsicheren Bundeswehrtrick eines Bekannten, mit dem sie über meine Blasenprobleme gesprochen hatte. Dünne Nylonstrümpfe, diese fast durchsichtigen, hautfarbenen unter die Wandersocken ziehen, das solle bei der Blasenvermeidung helfen.

Ich ging also noch mal los um diese Strümpfe aufzutreiben. In der Straße, wo Dirk wohnt, gibt es zwei ortopädische Geschäfte, aber die hatten nur Stützstrümpfe. Dann fand ich zufällig noch ein Miederwaren Geschäft. Als ich bei der Verkäuferin Nylonstrümpfe anfragte, schaute sie mich ganz seltsam an. Ich beeilte mich, zu erklären, welche Art Strümpfe und für welchen Zweck. Aber solche hatte sie leider nicht. Später ging Dirk noch mal Einkaufen und brachte mir ein Doppelpack von Plus mit.

 

Heute morgen nach einem frühen Frühstück tat ich wie geheißen, packte meine sieben Sachen wieder in den Rucksack und dankte Dirk für seine Gastfreundschaft. Er war meine letzte Bastion, von nun an würde es ins Ungewisse gehen. Direkt hinter Achen wird die Landschaft etwas hügeliger. Der Weg führte an einer Hauptstraße lang und in sanften Windungen bergauf. Auf der anderen Seite am Fuße des Hügels angekommen, bog ich nach links ab Richtung Hergenrath. 

 

Hübsches Haus am Wegesrand

Hübsches Haus am Wegesrand

Ich lief die schmale Landstraße entlang und auf einmal hatte ich eine Melodie im Kopf, „Lake of fire“ von Nirvana. Das ist ja nun kein Wanderliedchen, aber ich fing an die Melodie zu pfeifen, und noch einmal,

und immer wieder. Das Tackern der Walkingstöcke auf dem Asphalt machte den Rythmus dazu. Aufhören, auch wenn ich gewollt hätte, ging gar nicht mehr. 

 

Nachdem ich bestimmt ein halbes Stündchen wie besessen vor mich hingepfiffen hatte, wurde ich abgelenkt.

Ein Schild zeigte mir, daß ich in 500 Metern die belgische Grenze  erreichen würde. Die erste Grenzüberschreitung dieser Reise! Das Schild wurde ausgiebig fotografiert…

 

Die erste Grenzüberschreitung

Die erste Grenzüberschreitung

 

 

Ich hatte während der Planungsphase unter Anderem Hape Kerkelings Buch gelesen. Und in diesem Buch erhält er ja am laufenden Band Zeichen, zum Beispiel in Form von Plakaten am Wegesrand oder Musikstücken, die er im Radio hört. Die bringen ihm eine Botschaft und die deutet er dann für sich. Darüber hatte ich bei meinem Weg nach Hergenrath noch mal nachgedacht. Sieht man solche Zeichen nur, weil man sie sehen will? Kann man nicht alles Mögliche als Zeichen werten? 

 

Als ich Hergenrath gerade verlassen wollte, fiel mir das letzte Haus an der Dorfstraße auf. Ich wollte es gern fotografieren, weil es ein hübsches Vorgärtchen mit einem großen Baum hatte und in diesem Gärtchen ein großes, grau steinernes Kruzifix stand. Nach dem ersten Focussieren fiel mir die Inschrift am Sockel auf:

 “ Wanderer ! Die Natur ist wie ein Taschentuch, das Gott fallen ließ um uns Menschen auf sich aufmerksam zu machen.“

Also, „Wanderer“ mit Ausrufezeichen, da fühlte ich mich ja schon angesprochen. Und gerade hatte ich noch über die Zeichen des Herrn Kerpeling nachgedacht. Seltsam, seltsam…

Die Botschaft

Die Botschaft

In Astenet sah ich eine fotogene Bachgabelung mit einem dicken Baum in der Mitte. Die Location schien mir geeignet, ein ganz relaxtes Pausen-Selbstportrait zu schießen. Ich drapierte mein Gepäck am Baumstamm und rammte die Stöcke fest in den Boden. Dann ging ich auf die andere Seite des Baches, balancierte mit Mühe die schwere Kamera auf dem Ministativ aus und stellte die Belichtung ein. Dann drückte ich den Auslöser. Mir blieben jetzt genau zehn Sekunden um über den Bach zu hechten und mich völlig entspannt an den Baum zu lehnen. Nein, reingefallen bin ich nicht, nicht mal nasse Füße habe ich bekommen, die Schadenfreude kann hier nicht bedient werden. Aber ich sehe auf dem Foto auch nicht so aus, als ob ich schon eine halbe Stunde in der Sonne dösen würde. Und die Brille hab ich hab ich auch noch auf der Nase.

 

Pause am Bach

Pause am Bach

Der Weg bis Eupen zog sich wieder, hügelauf, hügelab. Angekommen, setzte ich mich in ein Straßencafe, bestellte einen Milchkaffee und steckte mir genüßlich eine Zigarette an. Das habe ich mir  erlaubt, da ich nicht mehr als fünf am Tag rauche. Die Plaza von Eupen hat schon einen leichten südlichen Flair, die Menschen sitzen draußen, der Platz ist voller Tische. Ein buntes Bild. Nur der immer noch frische Wind stört, besonders da, wo vorgestern noch Haare waren.

 

Eupen

Eupen

Zur Jugendherberge ging es noch mal steil bergauf. Dort wurde ich freundlich von Herbergsmutter  Monique Rossi empfangen. Heute war „Tag der offenen Tür“ , aber es waren keine Besuchermassen erschienen. So blieb von Essen, Trinken, Kuchen genug für mich. Ich unterhielt mich noch ein Weilchen mit Monique und ihren Assistenten und verzog mich dann in mein Viererzimmer, das ich aber ganz allein bewohne. Totaler Luxus inclusive Frühstück für vierzehn Euro fuffzig.

 

 

Etappe –  Aachen – Eupen

Region: Nordrhein Westfalen / Wallone

Kilometer 19,3

Schritte: 24431

Wanderzeit 5 Std 10 Min

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,7 km/h

Flugminuten knapp 2