Tag 48: Severac – Millau

Tag 48:  Severac bis Millau   –   3. Juni 2007

 

Den heutigen Tag könnte man treffend überschreiben mit: „Wanderer am Rande des Nervenzusammenbruchs…“. Dabei fing er im Gegensatz zu den letzten eigentlich ganz gut an. Die Bewölkung hatte sich aufgelockert, die Sonne kam durch und ließ die Temperatur angenehm ansteigen.

 

Ich hatte mir für heute eine lange Strecke vorgenommen. Von Severac nach Millau führte die Hauptstraße D 809 immer an einer Eisenbahntrasse entlang. Deshalb konnte ich davon ausgehen, daß es keine „Mörderstrecke“ war. Die Strecke war aber extrem langweilig, nur drei Dörfchen lagen auf dreißig Kilometer verteilt. Auf dem ersten Stück waren nur bewaldete Berge links und rechts. Die wenig befahrene Straße hatte zum Glück meistens einen breiten, gut begehbaren Randstreifen. Als ich über den Col d’Engayresque kam, konnte ich zum ersten Mal in der dunstigen Ferne das gigantische Viadukt von Millau sehen. Kurz danach verschwand es aber wieder hinter den Hügeln. Nach Millau ging es lange bergab und ich war fix und fertig als ich endlich in die Stadt kam. Es sind echte Strapazen, die ich meinem Körper hier abverlange. Die Wehwehchen wandern jetzt auch. Die Schulter hatte sich wieder gebessert, dafür tat das rechte Knie jetzt häufiger weh. Und ich dachte, Wandern sei gut für die Gesundheit. Meinen Gürtel allerdings habe ich schon zwei Löcher enger geschnallt. Ich bin mal gespannt was die Waage am Ende der Reise anzeigt.

 

In Millau suchte ich mir ein Hotel. In vielen Hotels muß man im Voraus bezahlen. Ich gab meine Kreditkarte ab und die ging nicht durch. Auch beim zweiten und dritten Mal nicht. Der ältere Herr an der Rezeption bedauerte, ich solle doch zur Bank gehen und am Automaten Geld ziehen. So ging ich also leicht beunruhigt zu einem Bankautomaten. Hier versuchte ich mit meiner Sparkassen Karte Geld zu ziehen. Aber das ging auch nicht. Mir wurde schon mulmiger zumute. Ich hatte noch genau 28 Euro Bargeld in der Börse. Es gab hier noch mehr Banken, ich probierte es an vier verschiedenen Geldautomaten. Fehlanzeige!

 

Ich suchte, jetzt schon total genervt, die Touristen Info auf. Ich brauchte ein Hotel mit einer schnellen Internetverbindung. Die junge Dame empfahl mir ein Sporthotel auf der anderen Seite des Flußes Tarn, der durch Millau fließt.  Sie rief dort an und reservierte mir ein Zimmer für zwei Tage. Ich mußte unbedingt einen Pausentag einlegen. Und jetzt schon erst recht, heute war Sonntag und ich konnte bei der Bank nichts erreichen. Außerdem mußte ich dringend ein paar Sachen waschen. So langsam wurde die Reise chaotisch. Notgedrungen ging ich also noch einen guten Kilometer bis zu dem Hericlea Sport Hotel. Aber das sah gar nicht nach Hotel aus, eher nach Fitness Studio. Es gab auf den ersten Blick nur einen kleinen Pool vor dem Gebäude, eine Cafeteria und zwei Säle mit allen möglichen Fitnessgeräten.

 

Der Betreiber, der mich empfing, war ein total nervöser, hektischer aber schon auf den ersten Blick sympatischer Mann von etwa vierzig Jahren. Ich sagte, ich hätte reserviert und er wollte zum Glück keine Kreditkarte. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Er zeigte mir mein Zimmer, das in einem viereckigen großen Kasten mit nummerierten Türen hinter dem Studio lag. Das Zimmer war ok und ich war froh eine Bleibe zu haben. Leider war auf dem Zimmer aber keine Internetverbindung, dafür mußte ich in die Cafeteria kommen.

 

Ich schrieb zuerst einmal Susanne eine SMS über meine Lage. Sie hat sofort die Notrufnummer der Sparkasse angerufen. Dort sagte man ihr, daß das monatliche Limit für die Goldcard überschritten sei, was mit der Sparkassen Karte war, konnte man ihr nicht sagen.

 

Ich schaute per Internetbanking auf meinem Konto nach. Es war noch genügend Geld auf dem Reisekonto. Kurios war aber, das von einem Fehlversuch bei der Post in Millau 100 € zum Abbuchen auf meinem Konto avisiert waren. Jetzt verstand ich gar nichts mehr. Es blieb mir aber nichts anderes übrig als bis morgen zu warten.

 

Im Hotel gab es natürlich nichts zu Essen, aber direkt nebenan war eine McDonalds Filiale. Dort investierte ich einen Teil meines restlichen Geldes in ein großes Royal Menu. Als ich wieder zurück in die Cafeteria kam, erklärte mir Vincent, wie der Betreiber hieß, hektisch und voller Stolz anhand von ziemlich zerfledderten Büchern und Prospekten den Brückenbau. Er erinnerte mich immer mehr an Gerard Depardieu in einer völlig durchgeknallten Rolle. Ich machte natürlich von ihm und seinem Sohn ein paar Fotos. Wirklich ein total netter Typ und er sprach Englisch und Spanisch. Er hatte fünf Jahre in Malaga im Club Med gearbeitet.

 

So hatte ich auch diesen Tag überstanden und die letzte, ein bisschen deprimierende, Woche. Morgen würde ich hier bleiben und falls es warm wird, mal in den Pool springen…

 

Etappe:   Severac le Chateau bis Millau

Region:   Midi Pyrenees

Luftlinie: 24,2

Kilometer: 32,4

Schritte: 40515

Wanderzeit: ca. 9 Std. (Rest nicht gestoppt)

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,6 kmh

Flugminuten: 2