Tag 45: Chaudes Aigues bis Urcize

Tag 45: Chaudes Aigues bis  St. Urcize   –   31. Mai 2007

 

Bei grauem Himmel und Kälte brach ich heute morgen um halb zehn auf. Kurze Zeit später wurde mir allerdings warm, da es aus dem Örtchen heraus sofort etwa drei Kilometer lang in Serpentinen anstieg. Danach gelangte ich jedoch auf ein Plateau, die Straße verlief relativ gerade und ohne große Höhenunterschiede. Nach einer Stunde setzte Nieselregen ein. Der wurde heftiger und ich mußte den Regenponcho überziehen.

 

Die Landschaft hatte hier eigentlich Flachland Charakter, ich konnte mir nur schwer vorstellen, daß ich hier über tausend Meter hoch war. Als ich St. Remy de Chaudes Aigues passierte, war ich enttäuscht. Der Name hörte sich irgendwie nach etwas an und auf der Karte war diese traurige Ansammlung von herunter gekommenen Häusern auch viel zu groß dargestellt. 

 

Eine Stunde später erreichte ich La Roche Canilhac und flüchtete vor dem stärker werdenden Regen in eine winzige Bar, die eine alte Dame in einem Privathaus betrieb. Dort saß ich und wartete darauf, daß der Regen nachließe. Ich schrieb schon mal auf dem Laptop und ließ die alte Dame ein Foto von mir machen.

Aber damit hatte ich sie überfordert. Ich hatte ihr zwar erklärt, wo man draufdrücken muß, aber nicht, daß man durch den Sucher schauen sollte. Immerhin kam ein ziemlich verwackeltes Foto zustande, auf dem viel Zimmerdecke und unten ein kleines bisschen Klaus zu sehen ist.

 

Der Regen trommelte auf das Vordach, aber nach zwei Stunden wurde das Trommeln leiser und ich versuchte meinen Weg fortzusetzen. Zum Glück gibt es hier nur vereinzelt Rinderherden und diese braune Rasse macht auch einen viel friedlicheren Eindruck auf mich. Außerdem gibt es viele Pferde, die zur Zeit fast alle mit Fohlen auf den Weiden sind. Der Regen hörte aber nicht auf, die Hose war unterhalb der Knie naß und als ich nach weiteren sechs Kilometern ebener Strecke in St. Urcize ein Hotel sah, war für mich die heutige Etappe zu Ende.

 

Das Hotel war ein altes und einfaches Haus, das Zimmer hatte eine winzige, nachträglich eingebaute Duschzelle mit WC und Waschbecken. Es gab hier kein Internet und auch mit meinem Sender hatte ich hier keinen Erfolg. Meine Laune sackte auf einen neuen Tiefenrekord. Zum Glück hatte ich noch mein Handy und konnte so mit Susanne ein paar SMS hin und her schreiben. 

 

Das muß ich noch mal ganz deutlich sagen, Suse’s Unterstützung ist ganz wichtig für mich. Wenn ich mir vorstelle, zu hause würde jemand sitzen, der herumzickt, was es ja durchaus geben soll, ich hätte wahrscheinlich schon das Handtuch geworfen. Aber Susanne hält mir die häuslichen Probleme fern. Sie spricht mir Mut zu, wenn ich den Kopf mal hängen lasse und ist immer an meiner Seite. Wenn ich die Reise hier schaffe ist das genauso ihr Verdienst.  Auch jetzt kamen ein paar aufmunternde SMS und der tägliche Rat etwas Vernünftiges zu essen.

 

Den befolgte ich auch brav. Es gab für neun Euro Aufpreis auf’s Zimmer ein ländliches Vier-Gänge Menu. Eine große Suppenschüssel mit dampfender Gemüsesuppe wurde auf den Tisch gestellt. Ich konnte selber die Portion bestimmen. Danach gab es je eine mit Hack gefüllte Kartoffel und Tomate mit Reis, dann eine Käseplatte, die den Namen auch wirklich verdient hatte. Und zum Nachtisch kam karamellisierter Flan mit verschiedenen Früchten.

Jetzt ging es mir schon wieder besser und ich war pappsatt.

 

 

 

Etappe:   Chaudes Aigues bis St. Urcize

Region:   Auvergne

Luftlinie: 17,1

Kilometer: 21,9

Schritte: 27384

Wanderzeit: 4 Std. 23 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 5,0 kmh

Flugminuten: 1,5