Tag 43: Massiac – St. Flour

Tag 43:  Massiac bis St. Flour  –  29. Mai

 

Es ist wieder Winter in der Auvergne. Das sollte heute die große Überrraschung des Tages werden. Heute morgen ging ich etwas früher los als in den letzten Tagen. Es würde ein längerer Marsch werden. Die Temperatur war eisig, der Himmel blau mit einigen weißen Wolken. Ich hatte vorsichtshalber zwei T-Shirts über einander gezogen, die Verkäufer auf dem kleinen Wochenmarkt, den ich in Massiac passierte, hatten dicke Thermojacken an. 

 

Ich nahm die Nationalstraße, die sich in der Nähe der Autobahn entlang zog. So konnte ich einigermaßen sicher sein, den flachsten und geradesten Weg zu nehmen. Es ging allerdings doch wieder ein paar Serpentinen hoch, die dann in ein relativ gerades Stück mündeten, daß stetig leicht bergauf führte. Trotz Sonne war es lausig kalt und der Wind wehte hier oben immer noch heftig. 

 

Es war ein strahlender Tag, richtig schönes Fotowetter. Hier auf einer Höhe von fast tausend Metern hatte der Frühling wohl erst begonnen, die Wiesenblumen leuchteten in tausend Farben. Wilder Ginster blühte überall in einem kräftigen gelb und dominierte hier die Landschaft. Dazu gab es unzählige Wildblumen von denen ich leider nur wenige beim Namen nennen konnte. Es war eine Freude zu sehen, daß es so etwas noch gibt.

 

Die größte Überraschung erwartete mich vor Coren, als ich über den Scheitelpunkt des heutigen Weges schritt. Schneebedeckte Berge im Westen, ungefähr 25 Kilometer entfernt. Ich verließ die Hauptstraße und ging in Richtung Coren weiter, auf die Berge zu. Es war kaum zu glauben, daß so weit südlich Ende Mai noch Schnee auf den Bergen lag. Ich machte eine Menge Fotos von dem faszinierenden Panorama, das sich mir hier bot. In Coren fragte ich eine ältere Dame, wie es sich mit dem Schnee auf den Bergen verhielt und nach einem langen, komplizierten Gespräch mit zehn Vokabeln meinerseits hatte ich dann doch verstanden, was ich wissen wollte.

Der Schnee war gestern frisch gefallen und das wäre nicht normal für die Jahreszeit. Später im Internet machte ich mich schlau. Mit 1858 Metern war der Plomb de Cantal der höchste Berg der Gruppe, die tatsächlich 25 Kilometer entfernt war. 

 

Beim Abstieg nach St. Flour, das immerhin auch auf 800 Metern Höhe liegt, entschwand die weiße Bergkette langsam aus meiner Sicht. St. Flour selber war auch noch mal ein grandioser Anblick. Die Stadt besteht aus Ober- und Unterstadt. Die wahrscheinlich ältere Oberstadt liegt trutzig auf einem steil abfallenden Berg. Die Kirche und andere große Gebäude sind aus dunklen Steinquadern gemauert. Ich habe selten eine Stadt gesehen, die so einen düsteren und abweisenden Eindruck hinterläßt. Ich hatte spontan Inquisition und Hexenverbrennung vor Augen, obwohl das gar nicht stimmen mag. Das muß ich später mal recherieren, jetzt fand ich dazu nichts auf Google.

 

In der sympathischeren Unterstadt suchte ich mir ein nettes Hotel. Ich hoffe das die Morgensonne ein gutes Licht auf die Oberstadt wirft, das wird ein tolles Motiv…

 

Etappe:   Massiac bis St. Flour

Region:   Auvergne

Luftlinie: 24,9

Kilometer: 31,6

Schritte: 39490

Wanderzeit: 7 Std. 38 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 4,1 kmh

Flugminuten: 2