Tag 41: Issoire – Lempdes

Tag 41: Issoire bis Lempdes   –   27. Mai 2007

 

Aufgebrochen zur heutigen Etappe bin ich erst um halb zwölf, was sich aber am Ende des Tages als die richtige Entscheidung herausstellte. In Issoire ging ich quer durch die Stadt, durch kleine, verwinkelte Gassen Richtung Süden. Als ich aus der Stadt herauskam, suchte ich mir einen Weg zwischen Autobahn und dem Schienenstrang der Eisenbahn. Der kleine Feldweg sah zuerst ganz vielversprechend aus, endete aber leider nach etwa einem Kilometer vor unüberwindbaren Zäunen Als Sackgasse. Hier in Frankreich sind die Autobahnen komplett eingezäunt, und mit meinem Gepäck hatte ich keine Chance, da rüber zu kommen. Mir blieb nichts Anderes übrig, als zurückzulaufen. Und Zurücklaufen verursacht bei mir schlechtere Laune als Verlaufen.

 

Nach einigen Suchen fand ich die D 909, eine breite Landstraße, die auf direktem Weg nach Lempdes, meinem heutigen Ziel führte. Nach kurzer Zeit mußte ich meine Jacke aus dem Rucksack holen, da es trotz Sonnenschein ziemlich frisch war. Den ganzen Tag blies mir ein ruppiger Wind aus Süd-West ins Gesicht, was beim Laufen zusätzliche Kraft kostete.

 

Eigentlich war es ziemlich öde und monoton, nur über die Hauptraße zu gehen. Aber heute sorgte ein weißblauer Himmel und ein Wechselspiel von Licht und Schatten für herrliches Licht und eine grandiose Kulisse.

Ich konnte weit in die Landschaft schauen, die in kräftigen Farben vor mir lag. Der Wind hatte den Dunst vertrieben. Es war ideales Fotowetter und einige schöne Dörfchen, die an den Hängen der Hügel lagen, präsentierten sich von ihrer schönsten Seite. Am besten gefiel mir Civerac, das war eines der schönsten Motive auf meiner Reise.

 

Auf halber Strecke in St. Germain mußte ich wieder mal feststellen, daß Fußgänger in Frankreich wohl eine zu vernachlässigende Minderheit sind. Die Bürgersteige werden hier gnadenlos zugeparkt, mit einem Kinderwagen zum Beispiel hätte man hier echte Schwierigkeiten. Aber man sieht hier auch kaum mal einen Menschen, der sich auf Schusters Rappen fortbewegt.

 

Auf dem schnurgeraden Stück von St. Germain nach Lempdes sah ich nach langer Zeit zum ersten mal ein Auto mit deutschem Kennzeichen, einen Münchener. Dabei treiben sich unsere Landsleute doch eigentlich überall auf der Welt herum, aber hier anscheinend weniger. 

 

Seit ich hier durch Frankreich laufe, sehe ich jeden Tag in Gärten und Höfen ein bestimmtes Plastikspielhaus mit grünem Dach. Das muß hier mal flächendeckend im Angebot gewesen sein. Auch heute sah ich es wieder zweimal, deshalb mußte ich das mal erwähnen.

 

Die Landschaft hebt sich immer mehr an. Lempdes liegt auf 430 Meter Höhe und wie ich auf Google sehen konnte, werden es Übermorgen schon über 800 Meter sein. Aus diesem Grunde werd ich noch mal zwei kürzere Strecken bis St. Flour laufen. Pünklich als ich in Lempdes ankam verschwand die Sonne hinter dichten Wolken.

Ich machte mich auf die Suche nach dem Fasthotel, dem einzigen hier am Ort. Der Mensch, der die Wegweiser zum Hotel angebracht hat, ist bestimmt im Hauptberuf Schnitzeljagd Veranstalter, oder er denkt sich möglichst komplizierte Ralleys aus. Kreuz und quer ging es durch den Ort, ein Stück an einen Bach entlang, dann wieder in eine noch kleinere Nebenstraße um am Ende vor einem Schild zu stehen, daß genau auf einen Feldweg wies, an dem einige Rohbauten standen. Ich fragte einen alten Mann, der seinen Dackel durch den Vorgarten führte. Er wies mir den richtigen Weg und nach fünfhundert Metern hatte ich endlich das Fasthotel erreicht. Es war jetzt fünf Uhr nachmittags und hier war kein Mensch. Allerdings gab es einen Automaten, an dem man normalerweise

mit der Kreditkarte den Zugang zu einem Zimmer bezahlen kann. Der war außer Betrieb. Na, es gab ja noch den Nottelefon Knopf. Anrufbeantworter auf französisch! Ich ging noch mal um das ganze Gebäude herum, versuchte es dann wieder übers Telefon und jetzt hatte ich eine Frau am anderen Ende, der mir klar zu machen versuchte, daß sie erst um sechs Uhr käme. Gott sei dank, daß ich heute nicht früher losgelaufen war, sonst hätte ich noch ein bisschen länger ohne etwas zu Trinken in der Kälte gestanden.

 

Etappe:   Issoire bis Lempdes sur Allagnon

Region:   Auvergne

Luftlinie: 18,7

Kilometer: 22,8

Schritte: 28518

Wanderzeit: 4 Std. 42 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 4,9  kmh

Flugminuten: 1,5