Tag 40: Courdon – Issoire

Tag 40: Courdon bis Issoire  –   26. Mai 2007

 

Für heute waren heftige Gewitter angesagt. Aber als ich heute morgen aus dem Fenster schaute, konnte ich kein Anzeichen dafür entdecken. Ob die Wetterfrösche ihre Münze mal wieder falsch geworfen hatten? Mit den Wetterberichten war das nämlich so: entweder sie stimmten, oder sie stimmten nicht. Wirklich verlassen auf die Vorhersagen konnte man sich nie.

 

So verließ ich bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosen Himmel um halb neun das Hotel. Die Luft war angenehm kühl und ich wieder fit. Das konnte ein guter Wandertag werden. Ich kam schnell voran und die Zeit verging heute wie im Fluge. Das lag daran, daß die Strecke sehr abwechslungsreich war. Keine endlosen monotonen Strecken auf der Landstraße, sondern ein Dörfchen nach dem anderen und viele Straßenwechsel machten den Weg heute aus.

 

Courdon und Cendre gingen praktisch ineinander über und ich hatte hier breite Bürgersteige, über die ich laufen konnte. Dann folgte ein kurzes Stück Landstraße bis Les Martes de Veyre. Von dort bis Corent war es auch wieder nur ein Katzensprung und ich überquerte die Allier und eine Eisenbahnlinie. Dann ging ich auf einer kleinen Nebenstraße über Lachaux und Parent nach Coudes. 

 

In Lachaux hatte ich das Gefühl, daß nun der Süden wirklich beginnt. Natursteinhäuser, vereinzelt schon Mandelbäume und kleine, blaue Schmetterlinge, das war ein anderes Bild als das bisherige. Auch waren mir in den letzten Tagen immer häufiger kleine Eidechsen aufgefallen, die über die Wege huschten und raschelnd zwischen Steinen verschwanden. Heute sah ich auch eine hellgrüne, die bestimmt 30 Zentimeter lang war.

 

Es wurde dann doch schnell wärmer und am Himmel bildeten sich in einiger Entfernung hohe weiße Wolkentürme. In Parent, wo ich eine der heutigen zwei kurzen Pausen machte, sprach mich eine ältere Hausfrau an. Ich schätze, ihre Kinder waren groß und aus dem Haus, der Mann vielleicht auf dem Fußballplatz und sie hatte Langeweile. Sie sprach ein bisschen Spanisch, wie ich schnell herausfand. Ein Teil ihrer Familie lebte auf den Kanaren, kämen sie aber nie besuchen, weil sie sich lieber an der Playa aufhalten würden, als in dieser schönen Landschaft. Das verstand sie nicht und ich konnte ihr da nur beipflichten. Wir schwätzten noch ein Weilchen, dann erklärte sie mir umständlich meinen weiteren Weg und ich machte mich an den Abstieg nach Coudes. Ich ging ja heute immer an der Allier entlang flußaufwärts, direkt am Fluß gab es aber keinen Weg und deshalb war ich gezwungen, einen Hügel nach dem anderen mit vielen Serpentinen zu nehmen.

 

Als ich in Coudes wieder Allier, Eisenbahn und Autobahn überquerte hatte sich der Himmel rapide verdunkelt. Ich wollte eine Abkürzung über einen Feldweg wagen und fand einen engen Wanderpfad, der oberhalb der Autobahn über die Hügel führte. In der ferne war jetzt schon deutlich Donner zu hören. Als ich fast an einer kleinen Siedlung direkt an der Autobahn angekommen war, setzte leichter Regen ein. Ich fragte einen Bauern, der mit seinem Trecker die Straße herunter kam, ob dies der richtige Weg nach Issoire sei. Er bejahte, sagte, daß seien aber noch sieben Kilometer und deutete auf den Himmel. 

 

Die lange gewundene Steigung hinauf nach St. Yvoine bezwang ich mit langen Schritten und kräftigem Einsatz der Wanderstöcke, um nicht an Tempo zu verlieren. Der Regen, der aber nicht unangenehm sondern eher erfrischend war, wurde weniger und hörte schließlich ganz auf, als durch St. Yvonne ging. Die kleine Landstraße schlängelte sich noch einmal durch ein Tal und dann wieder einem Hügel hinauf. Dann führte sie gerade und leicht abfallend auf Issoire zu. Ich hatte jetzt noch drei Kilometer zu gehen und vor mir wurde der Himmel pechschwarz. Blitze zuckten und der Donner war jetzt ganz nah. Ich bewegte mich jetzt auf offenem Feld und konnte sehen wie über Issoire der Regen in dichten Schleiern vom Himmel fiel. Das Gewitter bewegte sich aber ganz langsam Richtung Nord-Osten. Und ich hatte heute mal wieder absolute Sahne, wie man bei uns im Ruhrpott zu unverschämtem Glück sagt. Das Unwetter zog ungefähr fünfhundert Meter an mir vorbei. Da wo ich herlief fielen nur ein paar Tropfen. Ich konnte sogar die Kamera aus der Tasche holen und ein paar Fotos schießen vom tiefschwarzen Himmel und den Regenschleiern, die die Landschaft in sich verschwinden ließen.

 

In Issoire hatte ich ein komfortables drei Sterne Hotel übers Internet vorgebucht. Ich bekam ein schönes, ruhiges Zimmer mit Ausblick auf Garten und Pool. Leider konnte man den heute nicht nutzen und so nahm ich ein heißes  Bad in der Badewanne. Ab und zu ein wenig Luxus kann ja nicht schaden…

 

 

 

Etappe:   Cournon d’Auvergne bis Issoire

Region:   Auvergne

Luftlinie: 21,4

Kilometer: 27,7

Schritte: 34620

Wanderzeit: 5 Std. 12 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 5,3  kmh

Flugminuten: 2