Tag 37: Vichy – Maringues

Tag 37:  Vichy bis Maringues   –   23. Mai 2007

 

Das Hotel hier in Vichy war vom Preis-Leistungs Verhältnis mehr als in Ordnung. Vierzig Euro mit Frühstück, ein Dreibett-Zimmer mit sauberem Bad und nette, junge Wirtsleute machten mir den Aufenthalt angenehm. Nur die W-LAN Technik hat mich gestern nacht fast zur Verzweiflung getrieben. Dauernd flog ich aus dem Internet. Die Fotos für das Mallorca Magazin sendete ich drei mal, und immer wenn sie nach zwanzig Minuten fast durch waren, brach die Verbindung zusammen. Irgendwann weit nach Mitternacht habe ich dann aufgegeben. Heute morgen schickte ich die Mail dann mit meinem Vodafone Sender. Das ging zwar auch langsam, aber ohne Probleme.

 

Um neun Uhr war die Stadt schon auf den Beinen, und ich als seltsamer Wanderer mitten drin. Es ist interessant die langsame Veränderung zu beobachten, wenn man stadtauswärts läuft. Im Stadtkern beherrschen die Geschäfte, allen voran wieder Apotheken und Friseurläden, das Bild. Ich zählte allein sieben Friseure auf meinem Weg. Dann überquerte ich die breit und träge dahinfließende Allier und kam in die Vorstadt Bellerive. Dort ging ich an einigen Wohnsilos vorbei. Die Straße nach Randan aus der Stadt heraus säumten dann kleine Einfamilienhäuser. Je weiter ich herauslief, desto größer und teurer wurden die Häuser, bis ich am Stadtrand in einem Villenviertel endete. Hier wohnten die, die es sich leisten konnten, im Grünen.

 

Nach vier Kilometern war ich dann wieder allein auf der Landstraße. Sie führte mich durch ein Waldgebiet und zwei kleine Dörfchen, die aussahen wie dutzende vorher, nach Randan. Hier gab es ein paar Geschäfte und eine Bar, in die ich einkehrte, um eine Pause zu machen und etwas zu trinken.

 

Das Wetter war heute ideal zum Wandern. Es war nicht so warm wie gestern und ein paar leichte, weiße Wölkchen zogen am Himmel. Ein paar Kilometer vor Randan sah es dann so aus, als würde das Wetter umschlagen. Von Süden kam ein dichter, grauer Dunst gezogen. Ich ging ein bisschen schneller, aber als ich in Randan ankam hatte der Dunst sich wieder verzogen.

 

Danach führte die Straße in großen Bögen hinab in eine weite Ebene. Die Berge am Horizont waren ein ganzes Stück näher gerückt.  Jetzt um die Mittagszeit brannte die Sonne kräftig und es wurde wärmer und wärmer. Der Weg zog sich in dieser monotonen Landschaft ganz schön in die Länge und ich mußte mehrere kurze Pausen einlegen. Schattige Plätzchen dafür zu finden in dieser fast baumlosen Gegend war nicht so einfach. 

 

Ich kam durch das Dorf St. Denis, aber dort waren alle Fensterläden zu und es gab natürlich auch keine Tränke für einen durstigen Wanderer. Nur die Dorfhunde begleiteten meinen Weg mit wütendem Kläffen. Ich glaube, Fußgänger gibt es hier äußerst selten.

 

Das letzte Stück bis Maringues kam mir ausgesprochen lang vor. Der Schweiß lief jetzt in Strömen und ich hatte mein letztes Wasser ausgetrunken. Übrigens Wasser mit Pfefferminzgeschmack. Ekelhaft! Hier in den Supermärkten ist  aromatisiertes Wasser in allen möglichen Geschmacksrichtungen der letzte Schrei. Zitrone, Johannisbeere, Apfel, Erdbeere und weiß der Himmel was noch. Und natürlich Minze, worauf ich gestern reingefallen war. Nur ein vernünftiges Mineralwasser ist in den Regalen schwer zu finden.

 

Ich schleppte mich also die letzten Kilometer, halb am Verdursten und das rettende Alsterwasser schon vor Augen, Richtung Maringues und lief dabei noch einen herrlichen Umweg. Die Hauptstraße führte in einem riesigen Halbkreis um das Dorf herum. Hätte ich früh genug auf eine Nebenstraße gewechselt, ich hätte mir locker zwei Kilometer erspart. Als ich das bemerkte, war meine Laune urplötzlich im Keller. Laute Selbstvorwürfe vor mich hin fluchend, zog ich weiter bis zu einem Kreisverkehr. Dort endlich war der ersehnte Hinweis auf das Hotel, das ich mir auf Google Earth ausgeschaut hatte. Angegebene Entfernung ein Kilometer,

wirkliche Entfernung anderhalb. Bei solchen Gelegenheiten kommen mir kurze Strecken plötzlich unendlich lang vor. Aber dann konnte ich endlich trinken und duschen, und schon war der Ärger vergessen.

 

Hinterher bin ich noch mal mit der Kamera ins Dorf gelaufen und muß sagen, daß es sich gelohnt hat. Maringues ist ein schönes, uriges Dorf am Flüßchen Abbe, hier kann man schon deutlich den Süden spüren.

 

Mit den Schuhen bin ich sehr zufrieden. Auf den letzten Etappen habe ich die Kilometer langsam gesteigert, und siehe da, keine Blasen an den Füßen…

 

 

 

Etappe:   Vichy bis  Maringues

Region:   Auvergne

Luftlinie: 24,3

Kilometer: 31,0

Schritte: 38778

Wanderzeit: 6 Std. 53 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 4,5  kmh

Flugminuten: 2