Tag 34: Digoin bis Le Donjon

Tag 34: Digoin bis Le Donjon   –    20. Mai 2007

 

Um neun war der Himmel grau und es nieselte. Aber nach dem ich gerade aus der Stadt heraus gelaufen war, klarte es es auf und die Sonne schien immer mal wieder zwischen den Wolken durch. Ich nahm die Hauptstraße nach Molinet und ging dann noch ein Stück an der Nationalstraße Richtung Vichy. Auf der Karte war eine kleine Nebenstraße zu finden, die auch ohne große Umwege Richtung Donjon führte. An einem Sägewerk bog ich rechts ab und befand mich kurze Zeit später wieder zwischen Weiden und Äckern.

 

Kurz hinter Le Pin mündete die Landstraße allerdings wieder in die D 994 und ich entschloß mich, die jetzt durchzulaufen bis Donjon. An einem Rastplatz kurz vor Les Millets traf ich auf ein paar deutsche Entenfahrer. Mir waren vorher schon eine Menge 2CVs entgegen gekommen. Ich kam kurz mit Ihnen ins Gespräch und sie erzählten mir, daß sie von einem großen Ententreffen kamen, das jedes Jahr um diese Zeit in Frankreich stattfindet. Bevor ich weiterging, schoß ich natürlich noch ein paar Fotos. 

 

Ein paar Kilometer weiter entdeckte ich abseits der Straße einen Bauernhof mit wunderschönen Gebäuden. Das Haupthaus wies einige runde Türmchen mit spitzen Dächern auf, und die ganze Anlage wirkte sehr gepflegt. Ich machte einige Fotos von außen über die Hecke, aber da das Tor offen stand und ich niemanden sah, ging ich ein paar Schritte hinein. Ich hatte gerade das erste Foto gemacht, als plötzlich ein Wagen durchs Tor und mir fast in die Hacken fuhr. Ein Mann und seine Frau rissen die Autotüren auf und zeterten im Duett auf mich ein. Als sie merkten das ich nichts verstand, gingen die Beschimpfungen sofort auf Englisch weiter. Es waren wohl gebildete Menschen. Ob ich eine Erlaubnis hätte, das sei Privatbesitz. Ich entschuldigte mich und wies darauf hin, daß das Tor sperrangelweit offen stand und ich nur ein Foto gemacht hätte. Wo mein Auto wäre, wollte die Frau wissen. Ich hätte kein Auto, ich würde laufen, sagte ich wahrheitsgemäß. Sie würden jetzt die Polizei rufen, die würden schon feststellen was mit mir los sei. Ich beeilte mich unter nochmaligen Entschuldigungen mein Portemonnaie aus dem Rucksack zu holen und gab der Frau eine Visitenkarte und zeigte ihr meinen Presseausweis. Das beruhigte sie dann doch einigermaßen und sie ließen mich schlußendlich von dannen ziehen. 

 

Ich lief weiter an der Hauptstraße entlang und mußte feststellen, daß Entenfahrer freundliche Menschen sind. Sehr viele hupten, winkten und machten ihr Victory Zeichen, als sie am Wandersmann vorbeifuhren. Später bei einer Rast traf ich noch einen Nachzügler aus Köln mit Bart und grauem Zopf, der mir berichtete, sie hätten total schlechtes Wetter gehabt, der Campingplatz wäre ein einziger Morast gewesen und das gute Auto sei vom Regen arg durchnäßt. Er und seine Begleiterin müßten jetzt was für die Nacht suchen, weil sie es mit der Ente heute nicht mehr bis nach Köln schaffen würden.

 

Mit den neuen Schuhen bin ich bis jetzt super zufrieden. Die Etappe war zwar heute auch nicht die längste, aber ich habe keine neue Blase und die Füße waren noch relativ ok, als ich in Donjon ankam.

 

Hier gab es nur ein Hotel, aber im Fenster hing ein „geschlossen“ Schild und in einem Schaukasten „complet“. Das sah auf den ersten Blick nicht gut aus. Ich sah aber Menschen beim Essen vorn in der Wirtsstube und ging hinein. Der Wirt empfing mich mit einem breiten Grinsen und ehe ich richtig fragen konnte begrüßte er mich mit Handschlag und rief seine Frau. Ich hatte ja noch gar nichts gesagt, aber er erzählte seiner Frau irgendetwas von „Santiago de Compostella“, worauf hin sie mich sofort in die zweite Etage Etage lotste, mir dort ein Zimmer zeigte und mir zu verstehen gab, daß dies das billigste Zimmer sei:“ 29 Euro die Nacht!“

 

Das Zimmer hatte zwar nur ein Waschbecken, WC und Dusche waren auf dem Gang, aber da ich hier sowieso der einzige Gast war, wie mir schien, war das nicht so wichtig. Ich jedenfalls fand das ganze Hotel richtig schnucklig, das war kein vergammelter siebziger Stil, sondern eher gepflegte Vierziger Jahre. Uralte Möbel aus dunklem Holz und zum ersten mal auf der Reise kein Fernseher. 

 

Da ich großen Durst hatte, zog ich mich kurz um. Umziehen heißt, meine Zweithose aus dem Rucksack zu holen und ein trockenes T-Shirt anzuziehen. Ich ging hinunter in die Wirtsstube, wobei man quasi durch das Wohnzimmer der Wirtsleute muß. Auf jeden Fall aßen sie hier an einem großen runden Tisch und der Herr des Hauses hatte einen gemütlichen Sessel hier stehen, von dem aus er Fernsehen schaute. Nebenan in der Wirtsstube waren noch zwei Tische besetzt. Ich bekam ein Bier und merkte, wie die Wirtin mit einem Paar über mich sprach. Es ging wieder um „Compostella“. Ich schaute dann so auffällig hinüber, daß sie merkten, daß ich wußte das über mich gesprochen wurde. Die Dame am Tisch faßte sich ein Herz und fragte mich, ob ich Holländer sei. Ih klärte sie auf und der nächste Satz kam in einem fast Akzent freien Deutsch zurück. Ich erzählte ihr jetzt, was ich machen würde und sie übersetzte es für die Wirtsleute. Im Scherz meinte die Wirtin, ob sie mir jetzt nicht doch ein teueres Zimmer geben sollte.

 

Ich machte noch ein paar Fotos von Madame Therese Henry und ihrem Mann Max, wie meine Gastgeber hießen und bekam später noch ein leckeres, einfaches Abendessen. Diese Menschen waren so herzlich, daß dieses einfache „Nouvel Hotel“  sofort einen Spitzenplatz in meiner Hotelrangliste einnahm…

 

 

Etappe:   Digoin bis Donjon

Region:   Auvergne

Luftlinie: 21,0

Kilometer: 25,2

Schritte: 31492

Wanderzeit: 5 Std. 43 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 4,4 kmh

Flugminuten: 2