Tag 3: Jülich – Aachen

Tag 3:  Jülich – Aachen   –  Donnerstag, 19. April 2007

 

Kaum zu fassen, wie sich der menschliche Körper in einer Nacht regenerieren kann. Ich war gestern wirklich total fertig und heute morgen fühlte ich mich relativ fit. Habe kurz die Füße verarztet und bin dann „lunte“ gegangen. Die Chinesesin lächelte heute morgen sogar und stellte mir ein passables Frühstück auf den Tisch. Das war das erste Mal, daß ich in einem China Restaurant gefrühstückt habe.

 

Blühender Raps bei Jülich

Blühender Raps bei Jülich

 

 

 

Als ich in Jülich über den Markt ging, sprach mich ein Mann an. Er sah aus wie der typische Naturbursche, hager, Mitte fünfzig, Vollbart. Ich konnte mir direkt vorstellen, wie er sich im tiefsten Kanada durch die Wälder schlug. Wo es denn hinginge, wollte er wissen. Ich nannte ihm mein Ziel und wir kamen ins Gespräch. Er begleitete mich gut einen Kilometer und erklärte mir exakt den weiteren Weg. In Düsseldorf hatte ich bemerkt, daß die Leute auf der Straße skeptisch schauen, wenn man mit großem Gepäck auf dem Buckel durch die Stadt zieht.

Das scheint den Ruch der Heimatlosigkeit auszustrahlen. In den kleineren Städten oder in ländlichen Gebieten hingegen reagieren die Menschen viel freundlicher, jeder Fahrradfahrer grüßt, und wenn man nach dem Weg fragt, bekommt man ausführliche Auskunft und gute Wünsche. 

 

 

Weg nach Aldenhofen

Weg nach Aldenhofen

 

 

 

In Bourheim fragte ich zwei ältere Damen nach dem Weg. Sie berieten hin und her, dann erklärte mir eine der Beiden, daß ich an der nächsten Kreuzung links gehen solle, wies aber mit der Hand nach rechts. Das kam mir bekannt vor, meine Freundin machte so was oft beim Autofahren. Ich fragte ein paar hundert Meter weiter vorsichtshalber noch einen Mann, der gerade sein Auto belud, und erhielt eine knappe, exakte Auskunft. In Aldenhoven begegnete mir das weibliche links-rechts Problem in Form einer Spaziergängerin mit Hund. Hätte ich mich nach ihrer Wegbeschreibung gerichtet, wäre ich im Kreis gegangen. Ich möchte hier keine machomäßigen Vorurteile bestätigen, aber ich beschloß, doch lieber männliche Artgenossen um Auskunft zu bitten.

 

Ein langer, gerader Radwanderweg führte mich nach Aldenhofen. Dort überquerte ich eine Bundesstraße und ging querfeldein nach Niedermerz. Das Land hier ist so flunderplatt, daß man den nächsten Kirchturm schon von Weitem sehen kann. Außer den leuchtend gelb blühenden Rapsfeldern hat die Landschaft hier nichts Aufregendes zu bieten, flache Monotonie beherrscht das Bild. Und so gelangte ich nach einigen Kilometern über die Landstraße nach Langweiler. Hier schien der Name Programm zu sein.

 

 

Langweilige Straße

Langweilige Straße

 

 

 

Bei den langen Wegen von Dorf zu Dorf ist es mir heute mal gelungen, einfach die Gedanken schweifen zu lassen. Mal nicht daran zu denken, wem ich noch welche e-mail schicken muß, wen ich anrufen sollte, nicht dauernd auf die Befindlichkeit meiner Füße zu achten.

Ein Stückweit bin ich einfach gelaufen, ohne zu bemerken, daß ich laufe. Dann aber wurden die Fußschmerzen wieder heftiger und weg war die Leichtigkeit des Gehens. Unbewußt trat ich wohl falsch mit dem linken Fuß auf, um zu vermeiden, auf den Blasen zu laufen. Dadurch fing der Spann an zu schmerzen. Ich humpelte immer an einer Hauptstraße entlang von Schleiden bis zu einem Gewerbebiet hinter Weiden. Dort waren die Schmerzen so unerträglich, daß ich für die letzten Kilometer nach Aachen zu meiner Schande wieder den Bus nehmen mußte. In Aachen erwartete mich mein Freund Dirk, der zu meinem Glück vor einem Jahr hier hin gezogen ist. Endlich bei ihm zu Hause zog ich die Schuhe aus. Zu meinem Entsetzen mußte ich sehen, daß der linke Fuß dick und rot angeschwollen war. Dirk kümmerte sich rührend um mich, machte mir Kaffee und ein Fußbad. Danach wurde eine Schmerzcreme extra dick aufgetragen. Nur gut, daß ich für morgen einen Pausentag eingeplant hatte. Wir machten noch ein hübsches Erinnerungsfoto von meinen Füßen und dann wollte ich nur noch schlafen…

 

 

Schon mal in Aachen!

Schon mal in Aachen!

 

 

 

 

Etappe –  Jülich – Aachen

Region: Nordrhein Westfalen

Kilometer 26,1  ( + 7,3 mit dem Bus )

Schritte: 32625

Wanderzeit 7Std 53 Min

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,3 km/h

Flugminuten ca. 3