Tag 28: Montbard – Precy sous Thil

Tag 28: Montbard bis Precy sous Thil   –   14. Mai 2007

 

Der Himmel war dunkelgrau, als ich morgens aus meinem Dachfenster schaute. Zum Frühstück gab es heute außer Marmelade, die in den letzten Tagen Standard war, auch mal wieder Schinken und Käse. Als ich dann später das Hotel verlassen hatte, merkte ich, daß irgendetwas fehlte. Meine Wanderstöcke! Ich hatte sie tatsächlich im Zimmer vergessen. Zum Glück war ich erst einige hundert Meter gegangen.

 

Wieder mit Stöcken bewaffnet, stieg ich auf den Kirchenhügel von Montbard, weil ich hoffte von dort einen schönen Blick auf die Stadt zu haben. Aber die Ränder des Hügels waren so dicht mit hohen Bäumen bewachsen, daß ich Panoramafotos vergessen konnte.

 

Die Hauptstraße aus Montbard heraus hatte sogar mal richtig breite Bürgersteige. So konnte ich bequem das erste Stück gehen. Dann kam es allerdings wie gehabt. Ein schmaler Grasstreifen führte an der Straße entlang.

 

Ich kam an zwei Dörfern vorbei, die jedoch so weit abseits der Straße lagen, daß ich darauf verzichtete, ihnen einen Besuch abzustatten. Vorsichtshalber hatte ich mir ein Schinkenbaguette mitgenommen, weil ich inzwischen gelernt hatte, daß man in den kleinen Dörfern nichts Eßbares auftreiben konnte.

 

Grau und Grün, das waren die Farben, die mich ständig begleiteten. Grau der Asphalt und der Himmel, der zum Glück nur drohte, seine Schleusen aber geschlossen hielt. Und dieses endlose Grün der Felder und Weiden, ein wenig dunkler die Wälder. Wenn man wochenlang nur durch saftiges Grün läuft, kann man sich nur noch schlecht vorstellen, daß es um unsere (Um)Welt so schlecht bestellt ist. 

 

Jede Menge dieser weißen Rinder grasten in großen Herden links und rechts der Straße. Aber heute verhielten sie sich alle friedlich. Seit meiner Begegnung mit den ausgeflippten Stieren habe ich doch einen gewissen Respekt vor den Tieren. Die Stiere sind wirklich imposante Burschen.

 

Die kleinen Dörfer hier weiter zu beschreiben, halte ich inzwischen für überflüssig. Eins ist wie das Andere. Nur die Kirchen unterscheiden sich. Durch wie viele Dörfer bin ich bis jetzt schon gewandert? Ich habe sie nicht gezählt, aber es müssen schon hunderte gewesen sein.

 

Die Landschaft wurde wieder deutlich hügeliger und vor Semur en Auxeis ging es noch einmal stetig bergauf. Der Blick auf die Altstadt von einer Anhöhe am Rande der Stadt war grandios. Vor meinen Augen lag das pure Mittelalter. Im Zentrum eine große Kirche, die von unzähligen alten Häusern umstanden war. Am Rande des Bildes lag ein Wehrturm, der über die ganze Höhe einen breiten Riss im Mauerwerk hatte.

 

Ich ging hinunter zum Flüßchen Armancon, das malerisch durch den Ort fließt, und dann wieder steil hinauf zur Altstadt. Warum mußte ausgerechnet heute so ein grauer Tag sein?!  Hier hätte ich mich fotografisch mal richtig austoben können.

 

Ich aß und trank kurz etwas in einem der vielen Restaurants, und machte mich auf den Weg nach Precy sous Thil. Dort hatte ich vorsichtshalber schon ein Hotel von Montbard aus vor gebucht. Ich hatte keine Lust auf Überraschungen am Ende eines langen Tages. 

 

Der Rest des Weges an der Hauptstraße entlang war öde, ich hätte auch den etwas weiteren an einem See entlang nehmen können. Aber bei diesem Wetter verzichtete ich auf den bestimmt landschaftlich schöneren Weg. Es war kalt und ich wollte so schnell wie möglich ins Hotel. 

 

Die neuen Schuhe trage ich immer noch im Rucksack. Die jetzigen habe ich mir eben mal genau angeschaut, an den Seiten sind größere Risse und die Sohlen sind fast durch. Ich gebe ihnen höchstens noch zwei Tage…

 

 

Etappe:    Montbard bis Precy sous Thil

Region:   Bourgogne

Luftlinie: 24,3

Kilometer: 30,2

Schritte: 37785

Wanderzeit: 7 Std 28 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 4,0 kmh

Flugminuten: 2