Tag 24: Bar sur Seine – Les Riceys

Tag 24:  Bar sur Seine bis Les Riceys   –   10. Mai 2007

 

Heute morgen ging ich nach dem Frühstück sofort zur Post. Dort konnte man mir aber keine Auskunft über mein Paket geben. Ich fühlte mich heute wieder fit und wollte unbedingt weiterlaufen. Wie konnte ich das jetzt am besten anstellen? Meinen Weg fortsetzen und am Montag von Montbart aus mit dem Zug zurückfahren, um das Paket zu holen schien mir die beste Lösung. Ich hatte keine Lust, länger hier zu warten.

 

Ich ging zur Touristen Info und hatte diesmal das Pech, daß die Angestellte überhaupt keine Fremdsprache sprach. Trotzdem schaffte ich es mit Händen und Füßen, ihr mein Problem klar zu machen. Die Eisenbahnverbindung, die auf der Karte eingezeichnet war, gab es gar nicht. Mit dem Bus, der zweimal am Tag fuhr, müßte man von Montbart nach Chatillion, dort umsteigen und nach Bar sur Seine fahren, und dann das Ganze wieder zurück. Das würde mich locker einen ganzen Tag kosten.

 

Ich hoffte darauf, daß mir vielleicht noch etwas Besseres einfallen würde und verließ so schnell es ging Bar sur Seine. Der Ort ging mir langsam an die Nerven. Ich war richtig enttäuscht von der schmuddeligen Stadt, vielleicht auch weil ich ihn mir, weshalb auch immer, ganz anders vorgestellt hatte. 

 

Das Wetter hatte sich gebessert, eine milchige Sonne schien durch die Schleierwolken, die Temperatur war angenehm, also wieder bestes Wanderwetter. Ein kräftiger Wind blies mir aus Richtung Süden direkt ins Gesicht, als ich mich wieder auf die Landstraße begab. Kurz hinter Bar sur Seine sah ich zum ersten mal einen Dachs auf freier Wildbahn. Leider lag das arme Tier überfahren und ausgetrocknet am Straßenrand. 

 

Ich sah zu, daß ich möglichst schnell von der viel befahrenen Hauptstraße auf eine der kleinen Straßen ausweichen konnte. Die ging ich bis Polisot, und hier sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Alles war sauber und aufgeräumt, schmucke Häuser standen hier am Ufer der Seine. Welch ein Kontrast zu Bar sur Seine! Hier ging ich gern noch ein Stück am Ufer der Seine entlang, die sich ein paar Hundert Meter weiter in Polisy mit der Laignes verbindet. Diesem Fluß würde ich jetzt ein schönes Stück genau Richtung Süden folgen.

 

Im Gegensatz zu den kleinen Dörfern in Spanien findet man hier absolut keine Bars oder Restaurants. Das machte die Versorgung unterwegs nicht einfacher. Ich hoffe, das ändert sich, wenn ich weiter in den Süden komme. Um unterwegs nicht zu verdursten, mußte ich  genug Wasser dabei haben, und das wiegt natürlich auch wieder. Auch ein paar Snickers gegen kleine Hungerlöcher hatte ich immer dabei.

 

Die Hauptstraße, auf der ich wieder laufen mußte nachdem ich Polisy verlassen hatte, war zum Glück wenig befahren. Der Straßenbelag war leicht rötlich und extrem grob. Das hatte den Effekt, daß sich herannahende Autos schon von weitem anhörten, als wäre ein Kampfjet im Anflug. Die Straße führte in leichten Bögen und ohne Steigungen an Hügeln vorbei, die mit Wein bepflanzt waren. Auch in den Dörfern konnte man an jedem dritten Haus Schilder sehen, die auf die Champagner Produktion hinwiesen. 

 

Da ich heute nur bis Le Magny wollte trödelte ich ein bisschen herum und machte eine Menge Fotos. In Balnot  war eine Bank-Tisch Kombination ein Stückchen abseits der Straße aufgestellt. Dort machte ich Rast und anschließend eine kleine Fotoproduktion. Ich stellte die Kamera auf das Ende des Tisches und machte mit dem Selbstauslöser ein paar Fotos mit AirBerlin T-Shirt und dann noch welche mit Laptop und Vodafone Kappe. Bedingt durch die leichten Schleierwölckchen hatte ich heute ein hervorragendes Licht zum Fotografieren.

 

Dann ging ich nach Les Riceys, das mir schon von weiter Ferne durch seinen ungewöhnlich hohen und spitzen Kirchturm auffiel. Beim Näherkommen sah ich dann, daß neben dem Hauptturm noch vier kleine Nebentürme wie Speerspitzen gen Himmel zeigten. Direkt neben der Kirche entdeckte ich ein hübsches Hotel 

mit Bar und Restaurant. Ich kehrte ein und bestellte ein Radler. Der junge Kellner war superfreundlich und wechselte gleich in ein passables Englisch. Ich fragte nach dem Zimmerpreis, hatte aber eigentlich nicht vor hier zu bleiben. Ich wollte noch ein paar Kilometer weiter bis Le Magny, dort hatte ich im Internet ein Hotel entdeckt. 

 

Ich setzte also meinen Weg fort, hatte aber irgendwie das Gefühl, dies sei mein Hotel gewesen. Als ich am Hotel in Le Magny ankam, war dort eine riesen Baustelle auf dem Hof. Gleich zwei Luftkompressoren sorgten für einen Höllenlärm. Ich überlegte einen Moment und ging dann die drei Kilometer zum Hotel Le Marius zurück. 

 

Ich bekam ein wunderschönes Zimmer in dem gerade erst geöffneten Hotel. Außerdem war ich im Moment der einzige Gast hier und sowohl Franck, das war der Kellner, als auch die Besitzerin Madame Claudine Josselin waren sehr um mich bemüht. Nochmal, welch ein Kontrast zu Bar sur Seine!

 

Ich hatte ein paar Fotos vom Haus gemacht und zeigte sie Franck. Er wollte mir sofort das ganze Haus zeigen, aber ich vertröstete ihn auf morgen früh. Hier würde ich bleiben, bis meine Schuhe ankämen. Hier fühlte ich mich wohl…

 

 

Etappe:   Bar sur Seine bis Les Riceys

Region:   Champagne 

Luftlinie: 14,7

Kilometer: 23,9

Schritte: 29921

Wanderzeit: getrödelt wegen Fotos.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) —

Flugminuten: 1,5