Tag 23: Pause in Bar sur Seine

Tag 23: Pause in Bar sur Seine   –   9. Mai 2007

 

Ich kam nicht weiter, daß Paket war am Vormittag noch nicht eingetroffen. Also mußte ich mir als Erstes ein anderes Zimmer suchen. Das war mir auch gar nicht so unrecht. Die Besitzerin des Hotels „Du Commerce“, in dem ich jetzt war, behandelte mich mit einer unglaublichen Kälte und Arroganz. Kein Lächeln, kein freundliches Wort und immer wieder antwortete sie mir auf Französisch, obwohl sie gut Englisch sprach. Jedesmal, wenn ich irgendetwas von ihr wollte, mußte ich sie erneut bitten, doch Englisch mit mir zu sprechen. Und an dieses Hotel war mein Paket adressiert! Erst als ich ihr meine Geschichte aufdrängte und ihr nach Holzhammermethode meinen Presseausweis zeigte, wurde sie etwas freundlicher.

 

Die Zwangspause hier kam mir aber gar nicht so unrecht, denn nach den Märschen der letzten Tage war ich ganz schön ausgelaugt. Ich spürte eine Müdigkeit im ganzen Körper wie ich sie kaum einmal erlebt hatte. 

 

Deshalb ging ich mittags nur kurz durch das Städchen um ein paar Fotos zu schießen. Das Licht war immer noch miserabel. Bei grau verhangenem Himmel wirkte der ganze Ort trist. Gestern dachte ich bei oberflächlicher Betrachtung, Bar sur Seine wäre ein romantisches altes Städchen, zumindest die Altstadt. Aber bei längerer Betrachtung hat der Ort wenig Romantik. Alles hier ist im Zustand des Verfalls. Alte, und eigentlich wunderschöne Fachwerkhäuser gammeln vor sich hin. Die Hinterhöfe sind vermüllt, nichts ist hier in einem ordentlichen Zustand. Hier scheint Geld für Renovierungen zu fehlen, das ist ganz offensichtlich. Von den Grundbedingungen her könnte man ein wunderschönes Örtchen aus Bar sur Seine machen.

 

Auch die Hotels hier, ich habe ja jetzt zwei kennen gelernt, zehren von der eigenen Substanz. Das ist hier alles höchstens Siebziger-Jahre Standard. 

 

Ich aß in einem kleinen Restaurant ein Mittagsmenü und verbrachte den restlichen Tag damit, zu regenerieren.

Ich hatte heute einen unglaublichen Hunger. Schon nachmittags legte ich mich ins Bett. Das Fernsehprogramm auf meinem Zimmer beschränkte sich auf vier französische Sender. Ein Fußballspiel, daß ich mir anschauen wollte, wurde nach dem Anpfiff nur noch ganz verzerrt dargestellt. Wahrscheinlich war es von da an codiert.  Deshalb schreibe ich jetzt kurz mein Tagebuch und lege mich dann endgültig zum Schlafen hin…