Tag 20: Saint Dizier – Montier en Der

Tag 20:  Saint Dizier bis Montier en Der   –   5. Mai 2007

 

War das eine Nacht! Dieses Formel 1 Hotel scheint am Wochenende eher eine Jugendherberge auf Extasy zu sein. Und die „Herbergsmutter“ suchte um 22 Uhr das Weite. Die halbe Nacht hörte ich Getrampel auf den Fluren, es wurde an Zimmertüren geklopft, Mädchen kircherten und den Jungs hörte man eindeutiges Brunftverhalten an. Hier wurde auf allen Zimmern eine Riesenparty gefeiert und die Beteiligten wechselten im Minutentakt die Räume. 

 

Gegen zwei Uhr schaffte ich es einzuschlafen, um vier wurde ich aber noch mal durch lautes Klopfen geweckt. Meine Zimmernachbarn weigerten sich offensichtlich, ihre Tür noch mal zu öffnen. Das war das erste und letzte mal in einem Formel 1 Hotel. Wahrscheinlich hat bei der Namensgebung die enorme Lautstärke der echten Formel 1 Pate gestanden.

 

Als ich das Etablissement verließ, war es neblig, grau und kalt. Ich hatte schon mein dickstes T-Shirt an und die Jacke übergezogen, fröstelte aber trotzdem. Ich stand mitten in einem Industriegebiet vor San Dizier. Heute wollte ich aber keine Experimente wagen, ich wollte den kürzesten Weg nach Montier de Der gehen.

 

Also lief ich zur Hauptstraße und folgte den Hinweisschildern. Von San Dizier habe ich wenig gesehen an diesem trüben Sonntagmorgen. Das Klackern meiner Wanderstöcke wurde von den Häusern zurückgeworfen und es bereitete mir eine klammheimliche Freude, auch ein bisschen Krach zu machen.

 

Fotos machte ich heute kaum, das lohnte sich nicht bei dem Schmuddelwetter. Alle paar Kilometer ein „Beweisfoto“, daß mir beim abendlichen Bericht als Gedankenstütze dienen soll, reichte.

 

Zum Glück fand ich heute neben der Hauptstraße einen Radweg, der ein gutes Stück am einem Kanal entlangführte, der die Marne mit dem Seen-Reservoir des Lac du Der-Chantecoq verbindet.  Später war auch der Seitenstreifen ganz gut begehbar, und der gestrige Regen hatte den Lehm etwas weicher gemacht. So kam ich gut und schnell voran. Ich ging heute, bei der kühlen Witterung, ein ziemlich hohes Tempo.

 

Als ich aus dem Dorf Eclaron heraus kam, lief auf der anderen Straßenseite etwa zweihundert Meter vor mir ein Mann mit einer Plastiktüte. Er hatte offensichtlich beim Bäcker eingekauft und wollte wieder nach hause. Er hatte einen schnellen Schritt und zog mich so eine ganze Weile mit. Weil das Laufen hier eintönig war und in mir der sportliche Ehrgeiz geweckt wurde, versuchte ich ihn zu überholen. Ich kam auch immer näher an ihn ran, dann bog er in einen Feldweg ab.

 

Der Weg führte jetzt einige Male über die Ausläufer der Seenplatte. Bei schönem Wetter wäre es hier wahrscheinlich brechend voll gewesen, jetzt standen nur vereinzelt Angler am Ufer. Ein völlig verwaistes Strandbad mit angeschüttetem Sandstrand tauchte im trüben Grau auf. Jetzt war ich sogar ein bisschen froh über das Wetter, denn bei strahlendem Sonnenschein wäre das Verkehrsaufkommen hier wahrscheinlich enorm gewesen.

 

Ich sah anhand meines Schrittzählers mit Stoppuhrfunktion, daß ich heute mit Abstand den schnellsten Marsch meiner Reise machte. Ich hatte mich sowieso gewundert, daß mein Stundenschnitt immer sehr langsam war. Heute hatte ich kaum Fotos gemacht. Bei schönem Wetter blieb ich viel öfter stehen um zu fotografieren und die Stoppuhr hielt ich nur bei längeren Pausen an. Aber diese vielen kleinen Stopps schienen doch ziemlich aufzuhalten.

 

Beim Thema Fotografieren muß ich doch deutliche Abstriche von den Vorstellungen machen, die ich vor der Reise hatte.

Ich kann auf dieser Wanderung nicht auf das richtige Licht warten, kann auch nicht fünfmal um ein Objekt herumgehen, um den optimalen Standort zu finden. Ich muß alles so nehmen, wie es an meinem Wegesrand liegt, sonst komme ich nicht vorwärts. Selbst ständige Objektivwechsel habe ich weitestgehend eingestellt und mache fast alles mit einem Weitwinkelzoom. 

 

Heute jedenfalls kam ich gut voran und in Montier de Der empfing mich ein großes Transparent, das diesen heutigen Sonntag als Dorf- Wandertag ankündigte. Ich verzichtete gerne auf die vorgeschlagenen 15 Kilometer und suchte mir schnell ein Hotel.

 

 

 

Etappe:   Saint Dizier bis Montier en Der

Region:   Champagne Ardenne

Luftlinie: 24,3

Kilometer: 27,2

Schritte: 34052

Wanderzeit: 5 Std. 15 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 5,2 kmh

Flugminuten: 2