Tag 2: Grevenbroich – Jülich

Tag 2:  Grevenbroich bis Jülich   –    Mittwoch, 18. April 2007

 

Ich habe mich gerade tierisch geärgert, deshalb fange ich den Tag mal von hinten an. Ich komme also total ausgelaugt, wirklich am Ende, am vorgebuchten Hotel „Panda“ in Jülich an, sehe das Schild „Hoteleingang“ , gehe hinein und stehe in einem China Restaurant. Was ja zuerst einmal nichts Schlimmes ist. Ich erkläre einer unfreundlich dreinblickenden Chinesin mein Anliegen, sie schaut in ihr Notizbuch und sagt ohne eine Miene zu verziehen so etwas wie: „Jeez bzaaln?!“

Ich versuche ihr meinen Zustand zu erklären und das meine Geldbörse tief im Rucksack steckt. Sie scheint zu verstehen, gibt mir den Schlüssel mit der Nummer neun und sagt mit immer noch dem gleichen Gesicht:  „Okee hi Schlüsl, glei lunte bzaaln !! “ Mit gewissen Erwartungen schleppe ich mich die Treppe hinauf, öffne die Zimmertür, und werde nicht entäuscht. Das Zimmer hat den Charme einer Zelle. Deckenhöhe zwei Meter. Fenster mit Aussicht auf Regenrohre, Alarmanlage und Hinterhof, und, welch Glück, nach schräg unten in die Küche des Chinesen…

 

Und hierfür muß ich 10 Euro mehr berappen als für meine gestrige Unterkunft, das Hotel „Alte Backstube“. Dort  wurde Gastfreundschaft groß geschrieben. Heute morgen bekam ich ein Superfrühstück mit allem Drum und Dran, das für drei gereicht hätte. Währenddessen hielt ich noch einen netten Plausch mit dem Wirt, der mir von seinen Jahren in Südafrika erzählte und ich ihm von meinen auf Mallorca. 

 

So fing der Tag gut an und ich machte mich mit blasenbedingten Fußschmerzen auf den Weg. Mit Spray und Gelpflaster hatte ich versucht, den linken Fuß wieder fit zu machen, hatte aber Schmerzen beim Auftreten. Die versuchte ich, so gut es ging zu ignorieren und konzentrierte mich auf meine Strecke.

 

Ich hatte mir morgens auf dem Laptop die Karte angeschaut und mir die Reihenfolge der Dörfer, die ich passieren mußte, auf einen kleinen Zettel geschrieben. Zuerst kam ich nach Gusdorf, fragte dort einen Briefträger nach dem besten Weg. Ich solle an der Kirche, die schon in Sichtweite war, eine Treppe hochgehen und dann, ja er wisse auch nicht, dann am Besten, eigentlich, noch mal überlegen, immer geradeaus. 

 

Hinter der Kirche, die „Erftdom“ genannt wird, angekommen wollte ich ein paar Fotos machen. Ich hatte das imposante Gebäude gerade über die Friedhofsmauer focussiert, als drei würdige Herren in schwarzen Anzügen vorbeikamen. Einer von Ihnen blieb stehen und sagte:“ Da haben Sie aber noch ein schönes Stückchen zu laufen bis Mallorca !“ Ich starrte ihn völlig verdattert an und fragte, woher er das wisse. „Gott und der Dompfarrer wissen alles…“ erwiderte er mit einem breiten Grinsen. Er genoß es sichtlich, mich so verdutzt zu sehen und erklärte mir nach einer kleinen Pause, daß er gesten die „Aktuelle Stunde“ und auch den Beitrag über mich gesehen hätte. So fix hatte ich das nicht erwartet, und auch Susanne, die ich anrief, hatte die Sendung verpaßt. Aber die netten Jungs vom WDR wollen mir auf jeden Fall eine DVD mit der Reportage zuschicken. Klar bin ich neugierig, man ist ja nicht jeden Tag im Fernsehen!  

 

Nachdem der humorvolle Herr Pfarrer mich also ein bißchen veräppelt und ich meine Fotos im Kasten hatte, drehte ich mich um und stellte fest, das auch der Briefträger ein Witzbold sein mußte, weil es eine Querstraße hinter der Kirche nur noch nach rechts oder links ging.

 

Ich entschied mich für links, kam an einem riesigen, qualmenden Kraftwerk vorbei, das direkt an der Erft liegt und wußte jetzt, warum die so schmutzig ist. Vor einem der letzten Häuser am Ortsausgang sah ich einen älteren Herrn in Unterhemd vor seiner Haustür stehen und ließ mir von ihm den Weg nach Kaster erklären. Er schilderte mir den komplizierten Verlauf gleich zweimal ausführlich.

 

Kraftwerk in Grevenbroich

Kraftwerk an der Erft

 

So instruiert, gelangte ich zum Golfclub „Erftauen“ und von dort ging es schnurgerade über einen Kiesweg durch einen schönen Mischwald. Das Wetter ließ nichts zu wünschen übrig, weißblauer Himmel, es ging ein frischer Wind, so macht Wandern Spaß.

Kiesweg nach Altkaster

Kiesweg nach Altkaster

Nach einigen Kilometern durch die Einsamkeit tauchte unverhofft eine Kirchturmspitze aus dem grünen Blätterdach . Und dann zeigte sich ein Dorf wie aus dem Mittelalter. Altkaster, idyllisch am Flüßchen „Mühlenerft“ gelegen, erscheint wie aus einem Märchenbuch. Rundtore aus Ziegeln und Häuser mit Datierungen um Sechzehnhundert prägen das Stadtbild.

 

Altkaster

Altkaster

 

Ich halte Rast in einem Gasthof, der als Spezialität Pfannkuchen mit Käse und Salami anbietet. Ich nehme das und zwei Radler und mache mich nach einer kleinen Pause wieder auf den Weg.

 

Pfannkuchen mit Käse und Salami

Pfannkuchen mit Käse und Salami

Von Kaster nach Pütz geht es an einer Bundesstraße entlang, von Pütz nach Kirchtroisdorf auch. Dann Kilometer über plattes Land und Asphalt nach Rödingen.

In Güsten, vier Kilometer vor dem Ziel, halte ich die Schmerzen nicht mehr aus.

Nichts geht mehr, die Wanderstöcke setze ich wie Krückstöcke ein. Als eine Bushaltestelle in Sichtweite kommt, steht mein Entschluß fest. Egal, wenn ich mein Tagespensum heute nicht ganz schaffe, ich will mir nicht die Füße kaputt laufen.

Denn morgen geht es weiter.

 

 

 

Etappe – Grevenbroich – Jülich

Region: Nordrhein Westfalen

Kilometer 24,6 ( + 4 mit dem Bus)

Schritte: 30753

Wanderzeit 7Std 04 Min

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,5 km/h

Flugminuten ca. 2,5