Tag 17: Issoncourt – Bar le Duc

Tag 17:  Issoncourt bis Bar le Duc   –   3. Mai 2007

 

Der heutige Tag sollte der Tag der Kühe werden. Zuerst aber verabschiedete das Hoteliers-Ehepaar den seltsamen Gast freundlich. Ich verließ das Hotel “ Relais de la Voie Sacree“ in Richtung Hauptstraße. Ich hatte keine Lust wieder an der Bundesstraße langzulaufen und wollte auch die ganz kleinen Dörfer sehen, die ich mir auf Google Earth ausgesucht hatte. Deshalb, und durch die Lauferfolge der letzten zwei Tage ermutigt, wollte ich einen relativ großen Umweg wagen.

 

Direkt im Dorf bog ich ab auf eine kleine Landstraße Richtung Amblaincourt. Der Wettergott meinte es wieder gut mit mir, herrlichster Sonnenschein und eine angenehme Temperatur. Aus den weiten Feldern, die die Straße säumten stiegen kleine Vögel auf und zwitscherten ihre Lieder. Ich glaube, es waren Lärchen. Aber sicher bin ich mir da nicht. Als Kind kannte ich viel mehr Tiere und Pflanzen, aber dieses Wissen ist in der Zwischenzeit verloren gegangen. Eigentlich schade.

 

Nach etwa zwei Kilometern lag Rignaucourt auf dem Weg, ein Minidörfchen. Ich fotografierte die Kirche und dabei stellte ich fest, daß die Kirchturmuhr nur aufgemalt war. Im Dorf war es ewig zwei Uhr zweiunddreißig. Das nächste Dorf hieß Seraucourt und hatte gar keine Uhr am Kirchturm. Die Friedhöfe der kleinen Gemeinden lagen direkt an den Kirchen, quasi wie Vorgärten, und hatten nur wenige Grabsteine. 

 

Auf dem Weg nach Amblaincourt, mitten zwischen den Dörfern, hatte ich meine erste heutige Begegnung mit Rindviechern. Auf einer Wiese, rechts von der Straße, weidete eine Herde Bullen. Es waren mächtige Burschen mit weißem Fell. Einer fühlte sich wohl durch das Tackern meiner Wanderstöcke gestört, jedenfalls kam er an den Zaun gallopiert, schnaubte heftig und schüttelte sich. Zwischen ihm und mir waren nur zwei dünne Fäden Stacheldraht. Ich hob schleunigst die Wanderstöcke hoch und schlich auf leisen Sohlen und beruhigende Worte murmelnd, wie „Na, mein Guter“ und „Alles in Ordnung, Kleiner“, an ihm vorbei.

 

Danach hatte ich meine erste Pause verdient. Von Amblaincourt ging ich am Flüßchen Aire entlang wieder in meine eigentliche Richtung. Wieder auf dem „Voie Sacree“, der Bundesstraße angekommen, passierte ich Erize-la-Petite und bog nach dem Dorf wieder auf eine Landstraße ab, die schnurgerade genau Richtung Süden auf Bar le Duc zuführte. Die Landschaft wurde jetzt wieder zusehends hügeliger. Am Anfang der Landstraße zog sich eine gehörige Steigung lang den Berg hinauf. Daneben war eine riesige Weide auf der sich schwarzbunte Jungkühe tummelten. Sie kamen alle zum Zaun gelaufen und folgten mir. Die Weide zog sich bis zur Kuppe hinauf, bestimmt einen Kilometer lang, und die ganze Zeit trottete die komplette Herde mit mir den Berg hinauf, ich links vom Zaun, sie rechts. Ein Bild für die Götter. Oben angekommen, ging es für sie nicht mehr weiter. Ich hatte den Eindruck, daß sie richtig enttäuscht waren. Zur Belohnung für die Begleitung riss ich ein paar fette Grasbüschel aus und verfütterte sie an die Vorwitzigsten.

 

Das Gleiche passierte mir hinter Marat-la-Grande noch einmal mit Schwarzbunten, nur das die Weide hier ziemlich kurz war. Seltsam fand ich noch, daß Marat-la-Grande kleiner war als Erize-la-Petite. Aber darüber wollte ich jetzt nicht mehr nachgrübeln. Ich hatte nämlich noch ein schönes Stückchen vor mir und die Füße spürte ich auch schon wieder. Was mir aber mehr Sorgen bereitete, war die Tatsache, das sich zum ersten Mal seit über zwei Wochen der Himmel verfinsterte und ich hatte den Eindruck, ganz in der Ferne Donnergrollen zu hören. Das ließ mich direkt ein paar Schritte schneller gehen. 

 

Ich kam auf jeden Fall trocken in Bar le Duc an, fand ein superbilliges Hotel, allerdings mit WC auf dem Flur, aber Duschkabine im Zimmer. Kurz bevor ich anfing zu schreiben kam dann doch noch ein heftiger Gewitterguß vom Himmel. Also bis jetzt habe ich wirklich das Glück gepachtet…

 

 

 

Etappe:   Issoncourt bis Bar le Duc

Region:   Lorraine – Frankreich

Luftlinie: 23,5

Kilometer: 32,1

Schritte: 40082

Wanderzeit: 7 Std. 22 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit): 4,4 kmh

Flugminuten: 2