Tag 15: Marville – Marre

 

 

 

Tag 15:  Marville bis Marre   –    1. Mai 2007

 

Man sollte immer genau schauen, was sich in der Nachbarschaft des Hotels befindet. Heute morgen wurde ich von einem nicht enden wollenden Gebimmel geweckt. Nebenan war nämlich die riesige Dorfkirche. Dem Läuten der Hauptglocken war ein mehrstimmiges Glockenspiel vorangestellt. Das wiederholte sich ein paar mal und dann kam der richtig laute Gong zum Einsatz. Ich hätte gewettet, daß niemand im Dorf jetzt noch schlief. Und das an einem Feiertag um sieben Uhr.

 

Ich frühstückte und wollte mich schnell aufmachen, weil ich heute eine weite Strecke vor mir hatte. Ich fragte meinen Hotelier, ob er eine Idee hätte wo auf meinem Weg Hotels lägen. Er kannte eines in Marre, rief dort an und reservierte für mich. Marre lag zwar nicht exakt auf meinem Weg, aber bis Verdun, wo die nächsten Unterkünfte waren, würde ich es nicht schaffen.

Auf dem Weg nach Damvillers sah ich oft Schilder die auf Soldatenfriedhöfe aus dem ersten Weltkrieg hinwiesen. Ich machte einen kleinen Abstecher nach Peuvillers und besuchte eine dieser letzten Ruhestätten. In Reih und Glied zeugen hier die kleinen grauen Steinkreuze von den Schlachten unserer Großväter. Wie die Welt sich doch in weniger als hundert Jahren geändert hat! 

 

Ich ging bis Damvillers, wo ich zum ersten Mal Rast machte. Die Landschaft wurde jetzt immer flacher und heute blies ein frisches Windchen aus Osten über die Felder. Der Tag war wieder ideal zum Wandern. Ich hatte wirklich wahnsinniges Glück mit dem Wetter, bis jetzt hatte ich keinen einzigen Regentag. Außer am Sonntag, aber da war Wanderpause.

 

     

In Vacherauville legte ich nach einem endlosen Stück Landstraße wieder eine Rast ein und kam mit einem jungen holländischen Pärchen mit Tochter ins Gespräch. Sie hatten hier ein Ferienhaus und fuhren mehrmals im Jahr auch für verlängerte Wochenenden hier her. Auch im südlichen Belgien hatte ich schon so viele Hollander angetroffen. Diese Gegend scheint für sie das zu sein, was Mallorca für die Deutschen ist. An vielen Dorfhäusern sah ich „Te Koop“ Schilder.

Später überschritt ich die Meuse, eine wirklich beindruckend schöne Flußlandschaft. Der Weg nach Marre führte noch einmal vier Kilometer an endlosem Weizen und Raps vorbei, ich hätte tausend Fotos machen können.

 

 

 

Der Hotelier in Marville hatte mir zu verstehen gegeben, daß das Dorf Marre wie aus einem Asterixheft sei. Aber das konnte ich nicht nachempfinden. Es sah aus wie die anderen Dörfer. Als ich am Hotel ankam, wußte ich, daß ich ihn falsch verstanden hatte. Er hatte das Hotel gemeint! Ein völlig verwinkelter Natursteinbau, mit Nebengebäuden und Terrassen, die aussahen wie altertümliche Kultstätten. Mein Zimmer hat auch einen sehr rustikalen Stil, besonders die Elektrik.

 

Ins Internet komme ich hier nicht, kein Empfang. Ein Hotelangestellter will mich gleich an seine Internetstrippe lassen, damit ich meine Berichte fürs Mallorca Magazin abschicken kann. Hoffentlich geht das. In den letzten beiden Tagen nervt die Technik doch ganz beachtlich…

 

 

Etappe:   Marville – Marre

Region:   Lorraine – Frankreich

Luftlinie: 27,3

Kilometer: 34,4

Schritte: 42673

Wanderzeit: 8 Std. 42 Min.

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit): 4,0 kmh

Flugminuten: knapp 3