Tag 13: Pause in Virton

Tag 13:  Pause in Virton – Ethe   –    29.April 2007

 

Heute ist verarzten und relaxen angesagt. Ich hatte schon in den letzten Tagen die Füße immer mit entzündungshemmender Salbe eingerieben. Denn sie waren jeden Abend ziemlich matschig gelaufen und ich hatte Angst das sich die offenen, nässenden Blasen entzünden würden. Im Buch von Michael Andrack „Du mußt wandern“ hatte ich eine böse Geschichte über Blutvergiftungen, die aus infizierten Blasen entstehen, gelesen. 

 

Ansonsten habe ich keine richtigen Probleme, die Knie sind in Ordnung, im Nacken zieht es zwar mal etwas, aber ich denke, das ist bei dem Gewicht das ich mit mir herumschleppe, normal. Und die Kondition ist völlig in Ordnung. Wenn jetzt noch die Füße auskuriert sind, kann das Wandern wieder des Klausis Lust werden.

 

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Susanne und meine „Patchwork“ Familie vermisse schon, aber durch den fast täglichen Kontakt über „Skype“ und e-mails ist die gefühlte Entfernung nicht so groß. Bei meinem fünfjährigen Töchterchen Sophia ist das schon anders, sie lebt bei ihrer Mutter und das einzige Kommunikationsmittel ist das Telefon. Heute abend werde ich sie anrufen. Dieses Wochenende wäre mein „Papa-Wochenende“ gewesen, wie alle vierzehn Tage. Ich hoffe, Sophia versteht meine lange Abwesenheit und meint nicht, daß ich sie im Stich lasse.

Bisher habe ich auf meiner Wanderung oft die Hilfsbereitschaft fremder Mitmenschen erfahren. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, daß man in allen Situationen jemanden findet, der weiterhilft. Gerade in den kleinen Dörfern ist die Freundlichkeit groß. Die Menschen grüßen, manche stellen Fragen und wenn sie merken, daß ich ihre Sprache nicht spreche, geben sie in einfachen Worte gute Wünsche mit auf den Weg. Auf den wenig benutzten Landstraßen winkt und grüßt fast jeder Autofahrer im Vorbeifahren. Das kann in einer Stadt natürlich gar nicht passieren. Für mich ist das ein Beweis dafür, daß der Mensch eher dafür geschaffen ist, in übersichtlichen Sippen zu leben. Je mehr Menschen aufeinander hocken, desto weniger können sie sich leiden.

 

Morgens um halb sechs

Morgens um halb sechs

Mit meinem Gastgeber sprach ich heute ein paar Worte über Belgien. Mein persönlicher Eindruck war folgendermaßen. Wenn am „Eingang“ nicht ein Schild gestanden hätte, hätte ich das hier nie als eigenen Staat empfunden. Und ich glaube, nicht einmal die Belgier fühlen sich als ein Volk. Bis Eupen könnte Belgien gut als deutsch durchgehen. Auch noch in Recht hörte sich der schwere, träge Dialekt nach angetrunkenem Kölner an. Und dann, hinterm Venn ist man urplötzlich in Frankreich. Soweit ich meinen Wirt richtig verstanden habe, fühlt er sich schon als Belgier mit den anders sprachigen Belgiern verbunden, findet die Situation mit drei Sprachen aber ziemlich kompliziert. Zeitungen in drei Sprachen, Fernsehprogramme in drei Sprachen; Beschilderung, Prospekte, Gesetze, alles dreisprachig und für ein relativ kleines Volk.

Mein nächster Wandertag wird mich in die „Grande Nation“ führen. Das Wetter hat sich geändert, heute morgen ist zum ersten Mal seit meiner Abreise vor dreizehn Tagen Regen gefallen und es hat kurz geblitzt und gedonnert. Ideal wäre, wenn die Temperatur etwas herunterginge, es aber weitgehend trocken bleibt. Mal sehen…