Tag 11: Bastogne – Habay

Tag 11:   Bastogne bis Habay   –   27. April 2007

 

Das Weltall, endlose Weiten. So könnte man meinen Weg von heute beschreiben. Nur das ich nicht mit Lichtgeschwindigkeit vorankomme, sondern mit vier Stundenkilometern. 

 

Die Landschaft bleibt leicht hügelig, es wechseln sich weiterhin saftig grüne Weiden mit dunklen Wäldern ab. Die kleinen Dörfer ähneln einander; wie gehabt keine Einkaufsläden, keine Gaststätten, große Kirchen. Die Kirche als Institution muß wirklich unendlich reich sein, anders kann man sich diese Prachtbauten für die wenigen Einwohner nicht erklären. Die großen Türme setzen unmißverständliche Zeichen in die Landschaft, hier sind wir im Christenland! Zur Sicherheit gegen das Vergessen stehen an allen Wegen von Zeit zu Zeit Kreuze in allen Größenordnungen und je näher ich an Frankreich herankomme, immer öfter auch Marienfiguren.

 

Frühstück

Frühstück

Ich bin heute nur einmal vom Asphalt abgewichen in den Wald, hatte diesmal aber Glück, es war sogar eine Abkürzung. Und dann stand ich mitten im Wald zwischen Fauvillers und Habay vor einem riesigen Sendemast. Da mußte ich mal meinen Laptop aus dem Rucksack holen und mit dem Mobile Connect Modem spielen. Der blaue Balken für die Empfangsgüte ging bis zum Anschlag. Ich schickte meine erste e-mail aus der freien Natur. Das war auch die einzige Abwechslung heute. Ansonsten habe ich nur versucht, die Strecke so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Es wurde schon früh sehr warm. Nur in den Mulden lag noch kühle, frische Luft. Die Füße tun immer noch höllisch weh, ganz besonders wenn ich Rast gemacht habe und dann wieder loslaufe. Das muß endlich mal aufhören. Der Trick mit den Nylonstrümpfen ist auch nicht zu empfehlen, die Füße schwitzen mehr und es fühlt sich beim Laufen rutschig an. Wenn ich abends die Schuhe ausziehe, herrscht darin eine Temperatur, mit der man locker ein feines fünf-Minuten Ei hinbekommen würde.

Endlose Weiten

Endlose Weiten

Heute war kein guter Tag, das Laufen war anstrengend. Als ich endlich fast humpelnd in Habay ankam, fand ich kein Hotel. Ein Mann, der etwas deutsch sprach, erklärte mir den Weg zur einzigen Unterkunft im Dorf. Dort waren aber alle Zimmer besetzt und man schickte mich zu einer Privatpension. Ich fand sie zwar, aber auch nach mehrmaligem Klingeln machte niemand auf. Im benachbarten Blumenladen gab man mir die Auskunft, daß ungefähr vier Kilometer weiter Richtung Etalle das Truck Center, ein Fernfahrerhotel, sei.

Habay

Habay

Ich schleppte mich noch ein paar hundert Meter die Straße entlang, als es hinter mir hupte. Der Mann, mit dem ich zuerst gesprochen hatte, fuhr mit seiner Frau zum Einkaufen nach Etalle und bot mir an, mich bis zum Hotel mitzunehmen. Ich nahm dankend an, ich hatte wirklich keine Kraft mehr zu laufen. Er erzählte mir, daß er gern mal den Pilgerweg nach Compostella gehen würde. Die Mode ist also auch in Belgien angekommen. Ich empfahl ihm, vorher reichlich zu trainieren. Jetzt bin ich im Trucker Hotel. An der Theke im Restaurant sitzen grobschlächtige Kerle mit tätowierten Armen. Ich trinke zwei Bierchen und will nur noch schlafen…

 

 

Etappe –  bastogne – habay

Region:  Luxembourg Ardennen

Luftlinie: 31,4

Kilometer 33,5 + 4 mit dem Auto

Schritte: 41747

Wanderzeit 9 Std. 23 Min

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,6 km/h

Flugminuten 3