Tag 10: Houffalize – Bastogne

Tag 10:  Houffalize bis Bastogne   –    26.April 2007

 

Die heutige Tour ist schnell erzählt. Ohne Experimente wollte ich an der Nationalstraße 30 entlang schnurstracks nach Bastogne laufen. Am Anfang wand sie sich zwar noch steil ansteigend von Houffalize weg, dann wurde die Landschaft jedoch flacher, schnurgerade vom Asphaltband durchschnitten.

 

Es herrschte kein großer Verkehr, aber die wenigen Autos zischten manchmal mit großer Geschwindigkeit dicht an mir vorbei. Und wenn ein Truck vorüber rauschte, entfachte er dabei für einen kurzen Moment so einen Sturm, daß ich Angst um meine letzten Haare hatte. Ich muß immer wieder feststellen, daß die Wege dieser Welt für Fußgänger nicht gemacht sind. Jedenfalls nicht, wenn man von A nach B will. Klar gibt es viele Wanderwege, aber die führen meist auf gewundenen Pfaden durch die Natur und dienen ausschließlich der Erbauung. Oder es sind Rundwege, damit man nach erfolgreicher Wanderung wieder an seinem Auto ankommt. Aber für Fußgänger wie mich bleiben in der Hauptsache nur die Straßen, je größer, desto gerader.

 

Begegnung

Begegnung

 Die heutige Strecke war relativ kurz. Ich hörte mal wieder Musik vom I-pod, zum ersten mal seit Tagen. Mit Madrugada, Chilly Peppers und Detroit Cobras kam ich flott voran. Ab und zu unterhielt ich mich mit den Kühen auf den Weiden. Die hatten gerade winzig kleine Kälbchen. Die Mütter schauten mich mit großen Kuhaugen mißtrauisch an und als ich bei einer Herde anhielt um Fotos zu machen, erhoben sich die im Schatten eines Baumes liegenden Rindviecher und auffällig viele von ihnen begannen zu pinkeln. Ich erklärte mir dieses Phänomen als nervliche Anspannung. Die Kälber blieben gelassen im Schatten liegen.

Friedliche Kühe

Friedliche Kühe

So kam ich Rockmusik hörend und über Kuhpsychologie nachdenkend bei absolutem Hochsommerwetter in Bastogne an. Das Städtchen hatte lange Straßen mit bunten Häusern, hier war Leben in den Gassen. Das fühlte sich an wie Urlaub am Mittelmeer, ich mußte mir vergegenwärtigen, wie weit ich davon noch entfernt war.

Bastogne

Bastogne

 Bei den jungen Männern von Bastogne sind riesige Musikanlagen in winzigen Auto in Mode. Ich meinte, hinter mir käme ein verirrter Karnevalszug gezogen, als ich über die Hauptstraße zur Touristen Info ging. Aber es war ein verbeulter Fiat mit heruntergelassen Scheiben, der diesen invernalischen Lärm verbreitete. Drinnen saß ungerührt ein junger Bengel, wahrscheinlich mit Oropax verstöpselt. Von diesen lärmenden Blechbüchsen hörte ich mehrere im Ort herumfahren. Da hatten Mantafahrer aber mehr Stil. Ich suchte mir das billigste Hotel aus, das kostete aber auch noch sieben und vierzig Euro. Ich finde sowieso, daß hier in Belgien alles reichlich teuer ist. Eine Pizza und zwei Radler für fünfzehn Euro find ich auch nicht gerade billig.

Cafe in Bastogne

Cafe in Bastogne

 

Das „Hotel Du Sud“ ist ein altes, einfaches Haus, aber ganz gemütlich. Es wird von einer kleine alten Dame mit grauem Bubikopf geleitet, die streng darauf achtet, daß hier nicht geraucht wird.  

 

Zehn Tage habe ich jetzt hinter mir, zwei Monate muß ich noch durchhalten. So anstrengend hatte ich mir die Reise nicht vorgestellt, vor allen Dingen müßten die Fußschmerzen mal aufhören. Manchmal habe ich das Gefühl, ich laufe mir die Füße zu Brei. Die müssen doch irgendwann mal unempfindlich werden!

Am Tag als ich loslief wog ich mich morgens. Netto zeigte die Waage fünf und achtzig Kilo. Brutto, das heißt mit Kleidung, Schuhen und allem Gepäck waren es hundert und vier ein halb. Das drückt natürlich ganz schön auf die Füße. Ich werde heute das gesamte Gepäck noch mal durchgehen und prüfen was ich wirklich brauche. Es sind so einige Dinge dabei, die ich bis jetzt noch nie herausgeholt habe. Die könnte ich aussortieren und in einem Paket nach hause schicken.

 

Ein Objektiv habe ich zum Beispiel noch nie aus dem Rucksack geholt und mein Erste Hilfe Set ist auch zu üppig gepackt. Und wenn es nur ein Kilo ist, um das reduziert werden kann, dann habe ich auf dem Rest der Strecke dieses Kilo nicht mehr zu tragen.

 

Ansonsten habe ich mich gut organisiert, alle Kleinigkeiten haben ihren  angestammten Platz in unzähligen Nebenfächern mit unzähligen Reisverschlüssen. Ich gewöhne mich so langsam an das Leben als Umherziehender, der sein ganzes Habe mit sich herumschleppt. Die technischen Geräte funktionieren bis jetzt wunderbar und das Laptop gibt mir ein wenig das Gefühl einer gewohnten Umgebung. Ich sitze jeden Abend drei bis vier Stunden, lade die Fotos, die ich über Tag gemacht habe, von der Kamera herunter und bearbeite sie.

Dann kommuniziere ich über e-mail und skype mit Susanne. Das ist schon klasse, wenn man sich hören und sehen kann. Manchmal ist die Verbindung dafür aber zu langsam und das Bild bricht in Pixeln zusammen.

Woran ich mich bis jetzt noch nicht gewöhnen konnte, ist jede Nacht woanders zu schlafen. Aber das kommt bestimmt noch…

 

 

Etappe – houffalize – bastogne

Region:  Luxembourg Ardennen

Luftlinie: 16

Kilometer 18,3

Schritte: 22676

Wanderzeit 4Std 12 Min

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 4,4 km/h

Flugminuten 1,5