Tag 1: Düsseldorf – Grevenbroich

Tag 1:   Airport Düsseldorf bis Grevenbroich   –   Dienstag, 17. April 2007

 

Heute war es endlich soweit, ich konnte loslaufen. Wenn es in einen „normalen“ Urlaub geht, packt man einen Tag vorher die Koffer und dann stellt sich dieses Gefühl des ungeduldigen Wartens ein. Man ist zwar noch körperlich anwesend, aber mit den Gedanken schon weit weg. Dazwischen mischen sich Zweifel, ob man auch alles eingepackt und nichts vergessen hat. Auch eine gewisse kopflose Hektik macht sich manchmal breit.

 

Bei mir hatten sich all diese Symptome in den letzten drei Wochen langsam gesteigert. Mit dem Resultat, das meine Freundin Susanne Magenschmerzen bekam und mir täglich bescheinigte, das sie das alles nicht mehr lange aushielte. Ich solle doch endlich meinen Rucksack packen und losgehen. Aber der Termin war nun mal auf Dienstag, den 17. festgelegt. Ein paar Fotografen hatten sich angesagt und auch der WDR meldete sich einige Tage zuvor und wollte ein Kamerateam schicken. 

 

Heute morgen stand ich dann endlich in meinen Wanderschuhen und mit Rucksack am AirBerlin Schalter in der Abflughalle des Düsseldorfer Flughafens.

 

 

start in düsseldorf

start in düsseldorf

 

Der Rucksack hatte sich tags zuvor als zu schwer erwiesen, also flogen ein Stativ und ein zweites Paar Schuhe kurzfristig raus. Mit siebzehn Kilo Gepäck würde ich immer noch genug zu schleppen haben. 

 

Am Flughafen angekommen, hatte sich die Nervosität der letzten Tage verflüchtigt. Ich hatte auch gar keine Zeit mehr, nervös zu sein, weil mich zwei Fotografen sofort in Beschlag nahmen. Und da man dank Digitaltechnik keine Filmkosten mehr scheuen muß, machten sie eine Unmenge von Fotos.

Einige meiner Freunde, die sich inzwischen zu früher Stunde eingefunden hatten, um mich zu verabschieden, schauten dem munteren Treiben amüsiert zu.

 

Das Kamerateam vom WDR gehörte nicht zu den Frühaufstehern. Die riefen um neun Uhr an, daß sie es nicht zum Flughafen schaffen würden, sie wollten mich auf der Strecke suchen. Um halb zehn sagte ich auf Wiedersehen zu Familie und Freunden und verließ das Flughafengebäude Richtung Altstadt. Der ganze Trubel war noch so in meinem Kopf, daß ich gar nicht richtig realisierte, daß ich jetzt die ersten Schritte von einem echt langen Weg machte.

 

Nach fünf Ortungsversuchen per Handy fand mich das WDR-Team dann am Rheinufer kurz vor der Altstadt. Drei wirklich nette Kerle, die mit mir die verschiedenen Locations besprachen, die sie sich ausgedacht hatten. Sie boten mir auch an, wohl mehr im Scherz, das sie mich ja auch mit dem Auto zur nächste Location mitnehmen könnten, was ich aber dankend ablehnte. Sie filmten mich dann auf der Rheinufer Promenade, beim Brötchen kaufen, beim Fotografieren und immer wieder beim Laufen. Sie fragten Wieso, Weshalb, Warum und wie ich es sah, machten sie ihre Sache gut. Nachdem ich die ersten zwölf Kilometer hinter mich gebracht hatte und hinter dem Neusser Jachthafen an der Erftmündung angekommen war, entließen sie mich mit der Ermahnung, ich solle mich auf keinen Fall umdrehen, man wolle meinen Abgang noch filmen, und mit guten Wünschen in die Freiheit…

 

Die netten Jungs vom WDR

Die netten Jungs vom WDR

 

Ich war mit mir und der Welt allein. Der Lärm der Großstadt lag hinter mir und erst jetzt fiel mir auf, welches Glück ich mit dem Wetter hatte. Es war ideales Wanderwetter. Noch Gestern hatten wir, wie den Tagen zuvor, für die Jahreszeit eine extreme Hitze, über 30 Grad. Und das, während es am Mittelmeer richtig üsseliges Wetter gab. Und jetzt, fast wie bestellt, hatten wir um die 20 Grad, es wehte ein kühles Windchen und ab und zu schaute die Sonne zwischen den Wolken durch. 

 

So wanderte ich also zügig immer am Ufer der Erft entlang Richtung Grevenbroich. Die Erftauen müssen mal ein Idyllisches Plätzchen gewesen sein und sind es zum großen Teil immer noch. Nur Hauptstraßen, Autobahnbrücken und Überlandleitungen stören das Bild bisweilen. Man spürt die Nähe zu den Ballungszentren. Etwas weiter flußaufwärts entdecke ich eine abgesteckte Kanustrecke, und ein Warnschild, das bei Wasserkontakt durch Eskimorolle zu einer gründlichen Desinfektion rät. Wasservögel entdecke ich auch nur sehr vereinzelt, das gibt mir zu denken.

 

Die Erft

Die Erft

 

In einer Kneipe in Weckhoven ruhte ich ein wenig aus und stillte meinen inzwischen großen Durst. Als ich dann weitergehen und meine Nordic Walking Stöcke zur Unterstützung einsetzen wollte, mußte ich feststellen, daß ich sie zu hause vergessen hatte. So was kann passieren. Ich rief meinen Freund Uwe an und bat ihn, die Stöcke abzuholen und mir später ins Hotel zu bringen. Der Weg an der Erft entlang,an manchen Stellen durchpflügt von schwerem Gerät um die Sturmschäden von Kyrill zu beseitigen, zog sich jetzt immer länger und ich möchte nicht am ersten Tag klagen.

Baumschäden durch Sturmtief Kyrill

Baumschäden durch Sturmtief Kyrill

 

 

 

Aber die Zähne mußten schon zusammengebissen werden und ausgerechnet am linken Fuß, der auf allen Probewanderungen relativ verschont blieb, habe ich mir eine schöne Blase gelaufen. Und wie zum Hohn kreuzte ich auf den letzten zwei Kilometern den „Energiepfad Grevenbroich“.

Das half aber nichts mehr. 

 

Die Stöcke sind angekommen, Uwe sei dank. Ich kühle meine Füße und morgen geht es weiter.

 

 

 

 

 

Etappe Düsseldorf – Grevenbroich

Region: Nordrhein Westfalen

Kilometer 31,3

Schritte: 39121

Wanderzeit 8Std 24Min

WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) 3,7 km/h

Flugminuten ca. 3